Verbrauchertipp: Was steckt hinter den Biosiegeln?

Immer mehr Menschen achten beim Einkauf auf Bio-Lebensmittel. So haben neun von zehn Belgiern in den letzten Jahren Bio-Produkte gegessen, sieben Prozent davon wöchentlich.Doch Bio ist nicht gleich Bio. Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale erklärt die Unterschiede.

Bioland Siegel (Foto: BRF)

Was kennzeichnet BIO eigentlich?

Die EU-Verordnung mit der Nummer 834/2007 nennt eine ganze Reihe von Merkmalen, was BIO eigentlich auszeichnet. Ich will hier nur mal die wichtigsten nennen:

  • Bei der Produktion von Bio-Lebensmitteln werden keine chemischen Pestizide eingesetzt.
  • Dann sind die Tierbestände begrenzt und an die Hofgröße angepasst.
  • Das Futter kommt möglichst vom eigenen Hof.

Sich zurechtfinden bei Bio-Siegeln

Das bekannteste Siegel ist – glaube ich – das EU-Biosiegel, das seit 2010 in der gesamten EU einheitlich vermarktet wird. In Belgien gibt es eine Reihe von Bio-Siegeln, die dem EU-Bio-Siegel mehr oder weniger gleichen.

Dabei gibt es Siegel, die von einer Behörde stammen, wie zum Beispiel „agriculture biologique“ in Frankreich, das auch in Belgien Produkte damit auszeichnet und dann gibt es auch Siegel, die einer privaten Organisation zuzuordnen sind, wie zum Beispiel „nature et progrès“ in der Wallonie oder EKO in Flandern.

Und schließlich gibt es noch die verschiedenen Bio-Siegel der einzelnen Kaufhausketten, wie zum Beispiel, Colruyt, Carrefour und Delhaize, die ihre eigenen Bio-Siegel vermarkten. Das ist ziemlich verwirrend.

Schärfere EU-Regeln für Bio-Lebensmittel

Also die neue Verordnung betrifft vor allen Dingen die Lieferkette bei Bio-Lebensmitteln. Diese soll strenger kontrolliert werden. Allerdings muss der Rat der Mitgliedsländer noch zustimmen. Bei jetzigen EU-Gesetzgebung ist es so, dass jeder Mitgliedstaat zuständig ist für seine eigenen Kontrollen. Die müssen auf jeden Fall unabhängig sein, also neutral.

In Belgien gibt es derzeit 3 verschiedene Kontrollbehörden, die diese Bedingungen erfüllen: Das ist einmal Certisys, dann TÜV Nord und „Integra and Quality Partners“.

Wobei Certisys mit Abstand die größte unabhängige Kontrollbehörde hier in Belgien ist. Sie kontrolliert alleine dreiviertel aller Biobauern in Belgien. Das sind mehr als 1.800 Biobauern und sie führen mehr als zwei Kontrollen pro Jahr durch. Das ist mehr als von der EU verlangt wird.

Unterschiede zwischen den verschiedenen Siegeln

Im deutschen Sprachraum hat sich vor allem ein Verhalten entwickelt, das zwischen Bio und Premium-Bio unterscheidet. Das heißt zwischen einfachen Bio-Siegeln, wie zum Beispiel dem EU-Bio-Siegel und Demeter oder Bioland. Der Unterschied findet sich vor allem im Detail, bzw. in den verschiedenen Lastenheften.

Das EU-Bio-Siegel gilt quasi als Mindeststandard in der Bio-Szene. Dabei gibt es eine Reihe von anderen Bio-Siegeln, die viel strengere Anforderungen stellen. Ein Beispiel: Das EU-Bio-Siegel hat keine Regelung für die Transportdauer von Tieren; bei Bioland, Demeter und Naturland ist es so, dass der Transport maximal vier Stunden dauern darf oder 200 km weit.

Der wichtigste Unterschied, glaube ich, liegt aber im Gesamtkonzept. Bei Demeter ist es zum Beispiel so, dass der gesamte Hof sich den Demeterkriterien anpasst, während ich bei dem EU-Biosiegel beispielsweise auf der einen Seite Bio-Kartoffeln nach EU-Bio-Richtlinien anpflanzen kann, während meine Rindviehzucht konventionell läuft. Das wäre bei Demeter beispielsweise nicht möglich.

Ist BIO gesünder?

Das ist nach wie vor eine sehr heiß diskutierte Frage. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Bio-Lebensmittel nicht unbedingt mehr Vitamine enthalten als konventionell erzeugte Lebensmittel.

Dafür haben Bio-Obst und Bio-Gemüse mehr sekundäre Pflanzenstoffe. Es gibt Forscher, die annehmen, dass diese Stoffe Alterserscheinungen oder chronische Krankheiten hinausschieben können.

Was haben Bio-Produkte nicht?

Im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln sind Bio-Produkte auf jeden Fall mit deutlich weniger Pestiziden belastet als herkömmliche Produkte. Manche sagen sogar bis um das Dreihundertfachen weniger.

Konventionelle Lebensmittel halten aber die gesetzlichen Grenzwerte fast immer ein. Es werden nämlich immer wieder auch hier regelmäßige Kontrollen durchgeführt. Das heißt dann nicht, dass diese Lebensmittel per se ungesund sind.

Fazit

Fazit ist jedenfalls: Bio ist gut, auch wenn es nur das EU-Biosiegel ist. Egal, nach welchen Richtlinien die Bauern ihre Produkte erzeugen, jedes Biosiegel ist für die Umwelt, für die Tiere und für den Boden besser als Massentierzucht und riesige industriell betriebene Obst- und Gemüseplantagen.

Mehr Infos auf vsz.be

Infos: Bernd Lorch, Verbraucherschutzzentrale, Foto: BRF

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150