Verbrauchertipp: Geplante Obsoleszenz

Immer wieder bauen Hersteller ihre Geräte so, dass sie nach wenigen Jahren ihren Geist aufgeben, meistens ist dann die Garantie abgelaufen. Das nennt man auch geplante Obsoleszenz. Darüber informiert Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale.

Plastikmüll (Foto: Mike Nelson, AFP)

Plastikmüll (Foto: Mike Nelson, AFP)

Wer hat sich nicht schon mal selbst darüber geärgert, dass sein Smartphone, der Drucker oder die Kaffeemaschine kurz nach Ablauf der Garantie seinen Geist aufgibt. Das ist dann ziemlich ärgerlich, weil wieder etwas Neues gekauft werden muss und wieder Geldbeutel und Umwelt belastet werden.

Könnte es sein, dass die Hersteller bewusst Schwachstellen in die Produkte einbauen, damit sie früher kaputt gehen?

Ich meine, Beispiele gibt es ja genug. Das fing schon mit der Glühbirne an. Die ersten Glühbirnen von Edison hielten ja länger als die letzten, die jetzt noch in Gebrauch sind. Das Leben der Glühbirne wurde ja auf 1000 Stunden festgenagelt, obschon es für die Hersteller kein Problem gewesen wäre diese auf 5.000 oder sogar 10.000 Stunden hoch zu schrauben.

Ein anderes Beispiel ist die Nylonstrumpfhose. Die ersten Exemplare von Dupont waren extrem reißfest und nicht kaputt zu kriegen. Das war in den 50er Jahren in den Vereinigten Staaten. Die Damenwelt stand Schlange, bis jede Frau endlich ihre Strumpfhose hatte, die dann hielt und hielt… und der Hersteller Dupont geriet wirklich in Bedrängnis, weil der keine Strumpfhosen mehr verkaufen konnte. Die Entwickler bekamen dann den geheimen Auftrag, eine Strumpfhose so zu konzipieren, dass quasi ein Verfallsdatum eingebaut wurde.

Jüngstes Beispiel war ja letztes Jahr die etwas älteren iphone-Modelle. Wenn man da ein update durchführte, wurden die iphones mit der Zeit immer langsamer. Das hat Apple zwar im Nachhinein wieder korrigiert, aber nur auf Druck der Öffentlichkeit.

Immer schneller etwas Neues kaufen

 

Der Trend, immer schneller etwas Neues zu kaufen hat sich in den letzten Jahren tatsächlich verstärkt. Das zumindest behaupten auch zahlreiche Marketingexperten. Und wo wir schon bei Stichwort sind: Die Werbung ist ungemein innovativ, massiv und auch teilweise aggressiver geworden.

Ein 18-Jähriger Durchschnittsamerikaner hat bis zu seinem 18. Geburtstag über 100.000 Werbebotschaften aufgesogen. Ist praktisch von Konzerninteressen durchimprägniert und soll sich jetzt frei entscheiden, was er kaufen will? Das kann er doch gar nicht und das ist kein faires Spiel.

Nehmen wir nur die Lebensmittelindustrie: Vernünftige Lebensmittel wie zum Beispiel Gemüse, Obst, Milch oder Vollkornbrot: Die haben einfach schlechte Karten im Vergleich zu Cola, Mc. Donalds oder Milchschnitte von Ferrero, die mehr Fett und Zucker hat als ein schweres Stück Sahnetorte.

Aber genau dafür wird jede Menge Werbung gemacht.

Kaufen um die Wirtschaft anzukurbeln?

Das sind sich die Experten natürlich nicht einig. Die einen behaupten, dass diese Rechnung nur kurzfristig aufgehe. Langfristig würde dem Verbraucher was vorgemacht. Die kurzlebigen Produkte seien gut für die Rendite, für die Investoren, aber nicht für uns Verbraucher. Und da haben die Renditeinteressen einfach Vorrang vor Verbraucherinteressen.

Andere hingegen sagen, dass „Geplante Obsoleszenz“ eher übersetzt werden kann mit „vernünftige Gebrauchsdauer“. Diejenigen, die das behaupten, sagen, dass eine große Lebensdauer nur möglich ist, wenn der Kunde dafür bezahlt.

Es gibt schon Produkte, wo so etwas in der Art schon existiert:

Ich denke da zum Beispiel an eine Bohrmaschine. Da gibt es die Bohrmaschine für den professionellen Einsatz und auch die für den kleinen Heimwerker. Aber bei iphones oder anderen Smartphones oder den verschiedenen Hi-Technology-Produkten sieht das wieder ganz anders aus.

Folgen für Mensch und Umwelt

Die Folgen für Mensch und Umwelt sind gigantisch und verheerend. Geplante Obsoleszenz verursacht Berge von Müll nicht nur bei uns, sondern vor allem in der Dritten Welt.

Ich nenne nur ein Beispiel: Nach Angaben von Germanwatch produzieren wir in Europa jährlich mehr als acht Millionen Tonnen Elektroschrott, davon werden aber nur 25 Prozent des Elektroschrotts recycelt.

Der Rest landet getarnt als funktionierende Gebrauchtgeräte auf illegale Mülldeponien in Afrika oder auch in China. Und dort werden die Geräte sortiert und die Metalle mit äußerst primitiven Methoden herausgelöst. Wie zum Beispiel durch Erhitzen der Speicherchips, wobei hochgiftige Gase entstehen. Oft sind es Kinder und Frauen, die für diese Arbeit zuständig sind.

Alternative

Wenn ein Drucker vorab den Geist aufgibt, dass ist es noch relativ einfach, je nachdem um welchen es sich handelt. Da gibt es im Netz eine Software, die ist kostenlos erhältlich und die den Chip im Drucker wieder auf Null setzt, so dass der Drucker erneut drucken kann.

Ferner gibt es im Netz auch einige interessante Websites, wie zum Beipsiel die von „Murks nein danke“, wo man eine Reihe von Produkten findet, die sprichwörtlich mit einem Verfallsdatum versehen wurden.

Schwieriger wird es mit anderen Geräten, wie beispielsweise Handys, mp3-Player oder notebooks, wo ich beispielsweise den Akku nicht wechseln kann und mir dann ein neues Gerät kaufen muss.

Eine Möglichkeit wäre beispielsweise die Garantie für Produkte zu verlängern, aber davon sind wir ja weit entfernt.

Less ist more – weniger ist mehr

Da geht es schon in die Richtung von radikalen Experten wie der französische Wirtschaftsprofessor Serge Latouche. Der sieht die Wachstumsrücknahme als einzige Alternative. Sein Programm lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Reduzieren. Den Konsum reduzieren, die Produktion reduzieren, damit Zeit frei wird, um andere Formen des Reichtums zu entwickeln.

Er hat nicht ganz unrecht: Wenn wir die gezielte Verkürzung der Produktionslebensdauer von Zahnbürsten, Jeans, Strumpfhosen und Computer einfach so akzeptieren, dann brauchen wir uns über die Endlichkeit der Energie- und Rohstoffreserven und die Verlängerung der Lebensarbeitszeit nicht zu wundern.

Ein Wirtschaftssystem, in der Firmen auf gezielte Verkürzung der Lebensdauer setzen, ist einfach nicht nachhaltig und nicht zukunftsfähig.

Weitere Infos finden Sie im Netz auf vsz.be oder unter der Hotline 087/59 18 50.

Infos: Bernd Lorch, Verbraucherschutzzentrale

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