Verbrauchertipp: Rote Karte für Nuss-Nougat-Cremes

Die deutsche Verbraucherzeitschrift Öko-Test hat 20 Nuss-Nougat-Cremes getestet. Bernd Lorch von der Verbraucherschutzentrale Ostbelgien hat sich die Ergebnisse aneschaut und die Einführung einer eigenen Lebensmittelampel bei Nestlé, Coca-Cola und Unilever kritisch unter die Lupe genommen.

Nutella hat die Rote Karte bekommen (Foto: privat)

Nutella hat die rote Karte bekommen (Foto: privat)

Eigentlich weiß jeder, dass  Nuss-Nougat-Cremes zu süß und zu fett sind. Aber was heißt das genau? Wie süß und wie fettig sind Brotaufstriche in Wirklichkeit? Und wie viel davon darf ich auf mein Brötchen schmieren? Die deutsche Verbraucherzeitschrift Öko-Test hat 20 Nuss-Nougat-Cremes unter die Lupe genommen und ins Labor geschickt.

Schlechtes Ergebnis

Fakt ist, dass von den 20 getesteten Nuss-Nougat-Cremes gerade mal zwei ein „befriedigend“ bekommen haben, der Rest ist entweder mangelhaft oder ungenügend. Selbst von den fünf Bio-Brotaufstrichen hat nur einer es geschafft und der berühmteste Brotaufstrich – also Nutella – ist komplett durchgefallen und hat die rote Karte bekommen.

Warum?

Die Brotaufstriche enthalten einfach zu viel Zucker und zu viel Fett. Bis zu 58 Prozent Zucker hat das Labor in den Produkten festgestellt, dazu rund 30 bis 45 Prozent Fett. Also mit diesen Werten sind die Nuss-Nougat-Cremes eindeutig als „echte“ Süßigkeiten einzustufen und gehören – wenn überhaupt – nur ab und zu mal auf den Tisch.

Zudem setzen noch viele Hersteller auf Palmöl, weil dieses Öl einfach billig zu haben ist. Aber Palmöl ist ja bekanntlich ein sehr problematischer Stoff, da seine Produktion große Umweltrisiken birgt. Wie zum Beispiel die Abholzung von Regenwald für noch immer größere Palmölplantagen.

Informationen für Verbraucher

Also wer sich die Mühe macht, der findet in der so genannten Nährwerttabelle auf der Rückseite des Produkts Angaben zu den Mengen an Fetten, Zucker oder Salz, die in 100 Gramm enthalten sind. Das Problem ist aber, dass der Verbraucher nicht genau abschätzen kann, ob da jetzt viel oder wenig Zucker oder Fett drin ist.

Wäre die Ampelkennzeichnung vor Jahren eingeführt worden, dann würde sich das Problem nicht stellen. Denn mit der Ampelkennzeichnung können Verbraucher auf einen Blick erkennen, ob Lebensmittel zu fett, zu süß oder zu salzig sind.

Nestlé, Coca-Cola und Unilever führen eine Ampelkennzeichnung ein

Auf den ersten Blick scheint damit das Problem gelöst. Die Konzerne wollen die Lebensmittelampel mit Portionen kombinieren und das ist ein ganz raffinierter Trick. Denn so lassen sich hohe Nährstoffgehalte mit selbst erdachten, unrealistisch kleinen Portionen … prima kleinrechnen.

Die wollen zum Beispiel die Ampel für Nuss-Nougat-Cremes auf 15 Gramm pro Portion anwenden. Wenn das der Fall wäre, dann bekämen Zucker, Fett und gesättigte Fettsäuren nur ein “gelb”. Und das klingt für die Konzerne und auch den Verbraucher doch recht passabel.

Aber das hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun: Eine realisitsche Portion fängt erst mit 30 Gramm an und dann bekämen Zucker, Fett und gesättigte Fettsäuren eindeutig eine rote Kennzeichnung.

Ich bin der Meinung, wenn es schon eine Ampel auf Basis von Portionen geben sollte, dann müssen diese von offizieller Seite festgelegt werden und nicht von Unternehmen. Die Lebensmittelkonzerne wollen vor allem in erster Linie ihre Produkte verkaufen. Deshalb bin ich da ziemlich misstrauisch, was ihre Lebensmittelampel anbetrifft.

Weitere Infos zum Thema finden Sie auch im Netz unter vsz.be.

Infos: Bernd Lorch, Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien

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