Verbrauchertipp: Onlinehandel in der Quarantänezeit

Gerade in der Zeit der Coronavirus-Pandemie dürfte der Onlinehandel geboomt haben. Doch was auf den ersten Blick ziemlich praktisch und oft auch noch preisgünstig klingt, hat auch seine Schattenseiten. Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien beleuchet die Vor- und Nachteile des Onlinehandels und die Auswirkungen auf die Umwelt.

Online-Shopping (Pixabay)

Online-Shopping (Pixabay)

Onlinehandel in der Quarantänezeit

Es gibt tatsächlich unterschiedliche Meinungen dazu, was den Onlinehandel auf europäischer Ebene betrifft. Einige Medien hier in Belgien berichten, dass der Online-Handel regelrecht explodiert sei, während er in Deutschland um 18 Prozent eingebrochen ist. Was sich auf jeden Fall in den letzten Monaten gezeigt hat, dass es Gewinner und auch Verlierer gibt.

Zu den Gewinnern zählt mal in erster Linie Amazon, da braucht man sich nichts vorzumachen. Aber auch vor allen Dingen jene Branchen, die Lebensmittel verkaufen, Drogeriewaren, Medikamente und Streamingportale sowie diejenigen, die Online-Spiele anbieten.

Zu den Verlierern zählen vor allem die Textil- und zum Teil auch die Elektronikbranche sowie die Reisebranche und Eventunternehmen.

Onlinehandel umweltschonend?

Das ist nicht so einfach zu beantworten. Es ist zum Beispiel ein Unterschied, ob ich meine Einkäufe zu Fuß, mit dem Bus – das heißt mit öffentlichen Verkehrsmitteln – oder mit dem Auto zurücklege. Da ändert sich ja ganz schnell auch die Umweltbilanz, bzw. der CO2-Ausstoß. Experten sind allerdings der Meinung, dass der Online-Handel der Umwelt mehr schadet, als wenn ich jetzt meine Einkäufe regional tätige.

Die Experten gehen davon aus, dass die Transportunternehmen zwar ihre Ladungen und Routen besser planen können als zum Beispiel private Einkäufer. Andererseits gibt es einen Trend zu immer mehr individuellen Lieferungen in immer kürzeren Lieferzeiten und zu Wunsch-Uhrzeiten. Dadurch sind die Lieferanten längst nicht so sparsam unterwegs, wie sie es sein könnten.

Ein Beispiel: Amazon bietet als einer der größten Online-Händler Lieferungen in einigen Gegenden inzwischen innerhalb einer oder zwei Stunden an. Da kann man sich leicht vorstellen, welch hoher logistischer Aufwand da betrieben wird und das ist alles andere als gut für die Umwelt.

Auf der anderen Seite muss man sagen, dass die Waren mit dem Lieferwagen durch halb Europa transportiert werden statt dass man zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Laden um die Ecke geht oder fährt.

Schwächen beim Onlinehandel

Die Stärken des Online-Handels sind ja bekannt: Man kann vom Wohnzimmersofa aus bestellen und oft sind die Sachen auch noch recht günstig.

Eine der größten Schwächen der Online-Bestellung liegt darin, dass die Kunden in vielen Fällen im ersten Anlauf gar nicht zuhause sind und das Paket doch wieder mitfahren muss. Nach Berechnungen des Online-Handels kommen beim ersten Versuch rund ein Viertel aller Zustellungen nicht beim Kunden an. Und da entstehen zusätzlichen Wege, und die verschlechtern die Öko-Bilanz deutlich.

Eine weitere Schwäche gibt es bei den Textilien. Mindestens jedes zweite Paket wird bei Bekleidungskäufen im Internet als Retour an den Händler zurückgeschickt. In Deutschland beispielsweise sind das 800.000 Pakete…pro Tag. Da sieht die Umweltbilanz auch wieder ziemlich schlecht aus.

Online-Handel Konkurrenz für regionale Geschäfte

Das war einmal. Jetzt während der Quarantänezeit haben sich einige Restaurants, Geschäfte kurzerhand den Onlinehandel zunutze gemacht. Nach dem Motto: Not macht erfinderisch. Tatsache ist, das betrifft nicht alle. Klar ist, dass die Zunahme im Online-Handel, aber auch der Trend zu großen Einkaufszentren am Stadtrand dazu führt, dass es kleinere Geschäfte nicht einfach haben, um das jetzt mal etwas gelinde auszudrücken.

Rolle des Verbrauchers

Wenn ich als Verbraucher die Umweltauswirkungen aus dem Versandhandel so klein wie möglich halten will, dann sollte ich nur Dinge online einkaufen, die ich im Laden in der Nähe nicht finde. Damit stärke ich die Händler vor Ort. Und wenn es sich machen lässt, Alltagseinkäufe möglichst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr erledigen, soweit das in dieser seltsamen Zeit der Coronavirus-Pandemie möglich ist.

Für viele Ostbelgier, die auf dem Land wohnen ist das natürlich nicht so einfach, wie für jene, die in einer Stadt wohnen.

Eine andere Möglichkeit besteht beim Online-Einkauf darin, auf Express- oder Prime-Dienste zu verzichten. Denn die führen zu zusätzlichen Belastungen für die Umwelt. Und wenn man schon online einkauft, dann kann man ja auch auf Händler vor Ort achten, die diese Möglichkeit anbieten und auf internationale Zusteller verzichten.

Ich denke, dass dies gerade jetzt in dieser Zeit von besonderer Bedeutung ist.  

Weitere Infos gibt es im Netz auf vsz.be

Infos: Bernd Lorch, Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien

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