Verbrauchertipp: Die Faire Woche

Vom 7. bis zum 17. Oktober findet auch hier in Ostbelgien die Faire Woche statt. Die Verbraucherschutzzentrale möchte auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen.

Fairteiler (Foto: Lena Orban/BRF)

Fairteiler (Foto: Lena Orban/BRF)

Noch immer landen tonnenweise Lebensmittel im Müll: Brot vom Vortag, das sich nicht mehr verkaufen lässt, Milch, die noch genießbar wäre, Kartoffeln, die nicht der Norm entsprechen. Das termingerechte Wegwerfen von Lebensmitteln, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, ist ebenfalls ein Problem.

Wie viel Lebensmittel werden weggeschmissen?

 Zahlen gibt es, aber die unterschiedlichen Quellen sind sich im Zahlenmaterial, was die EU anbetrifft, nicht immer einig.

Das reicht von 100 Kilogramm pro Kopf und Jahr bis zu 300 Kilogramm pro Kopf.

Und wie sieht die Situation hier in Belgien aus?

Nach Angaben von Test-Achats wirft in der Regel jeder Belgier 1 Kilogramm Lebensmittel pro Tag in die Tonne. Das sind Zahlen, die absolut nicht optimistisch stimmen.

Allerdings soll der Lockdown einen positiven Einfluss auf das Verhalten des Verbrauchers gehabt haben. Nach einer Studie von Euroconsumers, wurden vor allem im Frühjahr weit weniger Lebensmittel im Haushalt weggeschmissen.

Aber die Lebensmittelverschwendung generell ist noch sehr groß.

Was sind denn die Gründe, dass so viele Lebensmittel weggeschmissen werden?

Die Gründe sind vielschichtig und betreffen quasi den gesamten Lebensweg der Waren. Bei der Produktion kann schon Ware aussortiert werden, ganz einfach, weil die Kartoffel oder die Gurke nicht der Norm entsprechen, …
In der Produktion können Lebensmittel beispielsweise auch beim Verpacken, beim Transport oder bei der Lagerung beschädigt werden.
Im Handel werden große Mengen Lebensmittel aussortiert, weil sie optisch nicht mehr einwandfrei sind oder weil das Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreicht ist.
Oder es kann passieren, dass Verbraucher über ihren Bedarf hinaus kaufen oder Lebensmittel im Kühlschrank vergessen.

Also die Gründe sind schon sehr vielfältig.

Wer trägt denn die Schuld an diesem Dilemma: der Verbraucher oder der Handel?

Also so einfach kann man das nicht pauschalisieren. Eigentlich tragen beide die Schuld.

Zum einen erwarten wir Verbraucher, dass der Apfel im Supermarktregal einwandfrei ist, da dürfen keine Macken dran sein. Wir erwarten auch, dass wir unseren Lieblingsjoghurt dort finden. Der Handel kennt beispielsweise über 100 verschiedene Sorten Joghurt.

Und auf der anderen Seite setzt der Handel Normen, um dem Verbraucher ein so genanntes einwandfreies Produkt zu verkaufen. Da kann es passieren, dass ein Kartoffelbauer 40% bis 50% seiner Ernte wegwirft, weil sie nicht den Normen der Supermärkte für Kartoffeln entspricht. Entweder sind die Kartoffeln zu klein oder zu groß oder haben Risse an der Seite, aber im Grunde genommen sind diese Kartoffeln für den Verzehr durchaus geeignet.

Was sind die Folgen dieser Lebensmittelverschwendung?

Ganz einfach: Mit jedem verdorbenen Kilo Brot, Reis, Fleisch oder einfach allem, was wir wegwerfen, vergeuden wir wertvolle Ressourcen wie Wasser, Erde, Energie, Arbeit und Kapital und heizen vor allem das Klima an.

Der Anbau von Lebensmitteln verbraucht Energie und Dünger und zerstört auch immer mehr Regenwälder. Wenn Nahrungsmittel auf der Müllkippe verrotten, entweicht zusätzlich Methangas, das bei der Erderwärmung 25-mal so stark wirkt wie Kohlendioxid.

Schlimmer noch, unsere Verschwendungssucht verschärft den weltweiten Hunger.

Was können wir tun, damit Lebensmittel nicht so oft weggeschmissen werden?

Wir als Verbraucher können bestimmt etwas tun, wie z.B. die Mahlzeiten im Voraus besser planen, darauf achten, dass mehr saisonale und regionale Produkte eingekauft werden, auch wenn das alles nicht so einfach ist.
Die Lagerung der Lebensmittel spielt eine wichtige Rolle: Ich muss schon darauf achten, wie ich die Lebensmittel lagere und vor allem, welche ich in den Kühlschrank lege.
Das Kochen spielt eine Rolle, für wen koche ich und auch die Resteküche ist wichtig. Was kann ich mit den Resten anfangen?

Es gibt aber auch interessante Projekte hier in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, wie das Foodsharing-Projekt. Es gibt Stellen, wo man seine Lebensmittel abgeben kann, so genannte Fairtailer: wie z.B. in Eupen, Büllingen, Kelmis, Walhorn und Herbesthal. Es können Lebensmittel sein, die man selbst noch essen würde. Auch Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Ausnahme sind Lebensmittel, deren Verbrauchsdatum abgelaufen sind.

Also Möglichkeiten, Lebensmittel nicht zu verschwenden, gibt es genug. 

Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich im Müll. Im Rahmen der Fairen Woche hat Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale die Ursachen und Folgen der Lebensmittelverschwendung und was man dagegen tun kann erklärt.

Weitere Infos finden Sie auch im Netz unter vsz.be

Infos: Bernd Lorch, Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien