Verbrauchertipp: Zeit für Winterreifen

Ein Blick aus dem Fenster genügt und was fällt einem auf: das Wetter. Schmuddelwetter ist nun angesagt und die Sommerhitze längst passé. Und spätestens dann, wenn der Wetterdienst den ersten Schnee meldet, fallen so manchem Autofahrer auch die Winterreifen wieder ein. Ab wann man Winterreifen aufziehen sollte und wo Winterreifenpflicht ist, darüber informiert Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien.  

Illustrationsbild: Hossein Soltanoo Unsplash

Illustrationsbild: Hossein Soltanoo Unsplash

Im letzten Jahr hatten wir ja kaum Winter. Lohnt es sich denn überhaupt noch Winterreifen aufzuziehen?

Ich bin jetzt kein Wetterexperte, aber wir wissen alle, dass wir in einer Region leben, wo es schon mal schneien kann und auch mit Straßenglätte zu rechnen ist. Auch wenn es letztes Jahr kaum geschneit hat. Wenn man jetzt in den wenigen Fällen, wo es glatt ist, trotzdem mit Sommerreifen unterwegs ist, kann man ziemliches Pech haben und guckt dumm aus der Wäsche.

Gehen wir mal davon aus, dass der Winter Einzug hält: Sind Winterreifen Pflicht?

Tja, in einigen Nachbarstaaten ist das der Fall, aber nicht in Belgien, beziehungsweise nicht in der Wallonischen Region und in Flandern sowieso nicht. Laut Gesetz ist der Autofahrer nicht verpflichtet, Winterreifen aufzuziehen.

Unsere Nachbarn sehen das anscheinend anders?

Das stimmt, wie z.B. in Luxemburg und in Deutschland. Seit 8 Jahren gilt für Luxemburg Winterreifenpflicht allerdings nur bei Eis, Schnee und Raureif. Wer dann von der Polizei mit Sommerreifen erwischt wird, muss ein Bußgeld in Höhe von 74 Euro zahlen.

Deutschland hat eine ähnliche Regelung wie die Luxemburger: Wer hier mit falscher Bereifung zwischen dem 1. November und dem 15. April erwischt wird, zahlt mindestens 60 Euro und wer zudem noch den Verkehr behindert – etwa, weil er an einer Steigung hängengeblieben ist – kann mit 80 bis 100 Euro Bußgeld rechnen.

Richtig teuer wird’s aber dann, wenn ich einen Unfall verursacht habe und dabei keine Winterreifen aufgezogen habe.

Ab wann muss ich denn generell Winterreifen aufziehen?

Für viele Experten gilt die so genannte 7-Grad-Regel. Das bedeutet, dass Winterreifen montiert werden sollten, sobald die Außentemperaturen generell unter 7 Grad Celsius liegen.

Andere wiederum sagen, dass man mit Winterreifen am besten zwischen Oktober und Ostern fährt, also von O bis O.

Wobei das mit Ostern ja schon so ‘ne Sache ist. Denn Ostern ist ja nicht an ein festes Datum gebunden und Ende April kann es in der Eifel durchaus noch mal schneien.

Unterhalb von 7 Grad nutzen mir meine Sommerreifen also wenig?

Genau! Klar, es steckt natürlich auch ein bisschen Kommerz dahinter: Vor allem die Autoindustrie spricht von dieser „7-Grad-Grenze“: Die sagt nämlich, dass ab 7 Grad die Gummimischung des Sommerreifens zunehmend verhärtet. Und die Folgen wären dann geringere Haftung und längere Bremswege.

Die meisten Pluspunkte sammeln Winterreifen auf Schnee. Das liegt nun mal am tief ausgeprägten Profil. Das sorgt für einen Verzahnungseffekt, was den Gripp, also die Haftreibung erhöht. Und die zahlreichen Lamellen sollen dann auch für eine bessere Haftung sorgen, wie zum Beispiel, wenn die Fahrbahn vereist ist.

Ab wann sind denn Winterreifen abgelaufen?

Da gibt es eine Norm. Neue Winterreifen müssen dann aufgezogen werden, wenn das Profil bis auf weniger als 1,6 Millimeter abgefahren ist. Das jedenfalls sagt Artikel 81 der belgischen Verkehrsordnung.

Wer aber so lange wartet, handelt in meinen Augen aber sehr fahrlässig und gerade für Winterreifen man sollte sich nicht auf dieses Gesetz berufen.

Touring Secours beispielsweise fordert eine Profiltiefe von mindestens 3,5 Millimetern und der deutsche ADAC spricht sogar von mindestens 4 Millimetern. Ein neuer Winterreifen hat im Schnitt eine Profiltiefe von 8 bis 9 Millimetern.

Die Aussagen der Hersteller sind da ziemlich deutlich: Ab 3 bis 4 Millimetern Profiltiefe haben Winterreifen deutlich schlechtere Werte, was die Matsch- und Schneetauglichkeit anbetrifft und auch das Aquaplaningverhalten nimmt entscheidend ab. Aber egal: Tatsache ist jedenfalls, dass ein Fahrer unter allen Umständen vor einem vorhersehbaren Hindernis stehenbleiben muss. Und das gilt auch im Winter.

Weitere Infos finden Sie auch im Netz unter vsz.be

 

Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien