Verbrauchertipp: Ist Online-Handel gut für die Umwelt?

Wer hats noch nicht getan? Eine Bestellung übers Internet aufgeben? Die Rede ist vom Online-Handel. Die Ausgaben fürs Online-Shopping steigen von Jahr zu Jahr. 2019 haben die Belgier 11 Milliarden Euro fürs Shoppen im Internet ausgegeben. Und angesichts der Coronavirus-Pandemie in diesem Jahr werden die Zahlen wohl noch höher ausfallen. Was auf den ersten Blick ziemlich praktisch und oft auch noch preisgünstig klingt, hat aber auch seine Schattenseiten. Denn Online-Shopping und Umwelt sind nicht immer die besten Freunde.

Online Shopping (Foto: Pixabay)

Online Shopping (Foto: Pixabay)

Die Umweltbilanz von Einkäufen im Laden um die Ecke und von Online-Shops lässt sich nicht so leicht berechnen, weil hier viele Faktoren mitspielen.

Weche Faktoren spielen eine Rolle?

Ein ganz einfaches Beispiel: Es ist ein Unterschied, ob ich meine Einkäufe zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto zurücklege. Da ändert sich ja ganz schnell auch die Umweltbilanz, bzw. der CO2-Ausstoß. Experten sind allerdings der Meinung, dass der Online-Handel der Umwelt mehr schadet, als wenn ich meine Einkäufe regional tätige.

Wie kann das sein?

Auf den ersten Blick ist es ja so, dass die Transportunternehmen ihre Ladungen und Routen viel besser planen können als zum Beispiel private Einkäufer. Das stimmt auch so. Aber wir dürfen nicht vergessen, es gibt immer mehr persönliche Lieferungen in immer kürzeren Lieferzeiten und zu Wunsch-Uhrzeiten und dieser Trend nimmt eindeutig zu. Da können die Transportunternehmen noch so gut planen, in Wirklichkeit sind die Lieferanten längst nicht so sparsam unterwegs, wie sie es sein könnten.

Ein Beispiel: Amazon bietet als einer der größten Online-Händler Lieferungen in einigen Gegenden inzwischen innerhalb einer oder zwei Stunden an. Da kann man sich leicht vorstellen, welch hoher logistischer Aufwand da betrieben wird und das ist alles andere als gut für die Umwelt.

Eine der Stärken des Online-Handels ist ja, dass es äußerst bequem ist: Ich brauche nirgendwo hinzufahren, ich kann vom Wohnzimmersofa aus bestellen und bekomme es auch noch nach Hause geliefert. Und abgesehen davon ist das Produkt in vielen Fällen günstiger als im Laden um die Ecke. Wo gibts denn da noch Schwächen beim Online-Handel?

Eine der größten Schwächen der Online-Bestellung liegt darin, dass die Kunden in vielen Fällen im ersten Anlauf gar nicht zu Hause sind und das Paket doch wieder mitfahren muss. Im Schnitt kommen beim ersten Versuch rund ein Viertel aller Zustellungen nicht beim Kunden an. Das ist für die Öko-Bilanz alles andere als „toll“, denn dadurch entstehen ja zusätzliche Wegstrecken.

Eine große Schwäche gibt es vor allem bei den Textilien. Hier ist es so, dass mindestens jedes zweite Paket bei Bekleidungskäufen im Internet als Retour an den Händler zurückgeschickt wird. Allein in Deutschland sind das 800.000 Pakete pro Tag. Da kann man sich leicht vorstellen, dass hier die Umweltbilanz alles andere als gut ist. Und das wirklich Schlimme ist, dass die Corona-Pandemie das Shoppen im Internet noch zusätzlich verstärkt.

Die großen Gewinner in der Zeit der Corona-Pandemie sind ja vor allem Amazon und digitale Hightech-Konzerne. Bedeutet das, dass die kleinen Geschäfte in der Region es in Zukunft noch schwerer haben?

Ich glaube, so pauschal kann man das nicht sagen. Wir haben ja festgestellt, dass während der Corona-Pandemie auch viele kleine Geschäfte ihr Internetangebot ausgeweitet haben. Ich denke da zum Beispiel an die ganzen Restaurants, die ihre Menüs zum Mitnehmen in den sozialen Netzwerken oder auf ihrer Homepage anpreisen. Auf der anderen Seite stimmt es, dass der Online-Handel eine enorme Konkurrenz für kleinere Geschäfte bedeutet. Aber das tun auch die großen Einkaufszentren am Stadtrand.

Welche Möglichkeiten hat der Verbraucher denn?

Wenn ich als Verbraucher die Umweltauswirkungen beim Online-Shopping so klein wie möglich halten will, dann sollte ich nur Dinge online kaufen, die ich im Laden in der Nähe nicht finde. Damit stärke ich die Händler vor Ort.

Und wenn es sich machen lässt, Alltagseinkäufe möglichst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr erledigen. Das ist für Menschen, die auf dem Land wohnen, fast gar nicht möglich oder nur sehr schlecht.

Eine andere Möglichkeit besteht beim Online-Einkauf, auf Express- oder Prime-Dienste zu verzichten. Denn die führen zu zusätzlichen Belastungen für die Umwelt.

Und ganz wichtig ist, sich vor den ganzen Rabattaktionen im Netz etwas zurückzuhalten: Sei es der Black Friday, der Cybermonday oder wie sie alle heißen. Stellen Sie sich auch die Frage: Brauche ich das wirklich jetzt? Habe ich das wirklich nötig?

Und wenn man schon online einkauft, dann kann man ja auch auf Händler vor Ort achten, die das Online-Shopping anbieten und auf internationale Zusteller wie Amazon verzichten.

Weitere Infos finden Sie auch im Netz unter vsz.be

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien