Verbrauchertipp: Regional statt global im Kühlschrank

Globalisierung im Kühlschrank: Gibt’s nicht? Gibt’s wohl! Ein Blick dürfte bei manchen schon genügen: Da finde sich Weintrauben aus Chile, Prinzessböhnchen aus Kenia, Lammkoteletts und Äpfel aus Neuseeland oder Thunfisch aus dem Pazifischen Ozean. Dass diese Lebensmittel viele Kilometer zurückgelegt haben, ist klar. Hier zeichnet sich Globalisierung ab, statt Regionalität.

Prall gefüllter Kühlschrank (Bild: Bildagentur PantherMedia / Andriy Popov)

Prall gefüllter Kühlschrank (Bild: Bildagentur PantherMedia / Andriy Popov)

Nun das Essen auch noch als Klimakiller zu betrachten – gerade jetzt, wo es auf Weihnachten zugeht – ist doch wohl ein bisschen weit hergeholt… oder nicht?

Ganz so falsch ist dieser Gedanke nicht. Wenn beispielsweise Fleisch aus Argentinien oder Weintrauben aus Südafrika per Kühltransport eingeflogen werden, dann entsteht jede Menge CO2 und wir beschleunigen ganz nebenbei den globalen Klimakollaps. Ist ja nichts Neues, was ich hier erzähle: Lebensmittel reisen heutzutage um die ganze Welt, damit Verbraucher auf nichts verzichten müssen, das ist nun mal eine Tatsache. Aus aller Herren Länder landen Nahrungsmittel bei uns auf dem Teller. Der Großteil der Reise findet auf der Straße und in der Luft statt.

Zum Beispiel…

Ein gutes Beispiel sind Weintrauben, wenn sie aus Südafrika kommen: Diese legen rund 10.000 Kilometer zurück, bevor sie im heimischen Supermarkt-Regal landen und verursachen rund 11 Kilogramm CO2 pro Kilo Weintrauben. Im Gegensatz dazu würden ein Kilo Kiwis aus Neuseeland nur 3,2 Kilogramm CO2 produzieren, wenn sie die 21.000 Kilometer lange Strecke mit dem Schiff zurücklegen würden. Das Blöde ist nur, der Verbraucher kann überhaupt nicht erkennen, ob die Lebensmittel über Land, Wasser oder per Flugzeug zu uns gelangen.

Welche Alternativen bieten sich denn an?

Vor allem regional produzierte Lebensmittel kommen hier in Frage. Die weisen in der Regel einen geringeren Schadstoff- und Pestizid-Anteil auf, vor allem wenn es sich um Bio-Gemüse und Bio-Obst handelt. Auch die Energiebilanz ist eine ganz andere als die neuseeländischer Äpfel. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass zahlreiche Lebensmittel aus der Ferne künstlich haltbar gemacht werden müssen, was auf Kosten von Qualität und Frische geht. Und hinzukommt, dass die Handelswege und Zuliefererstrukturen für den Verbraucher vollkommen undurchschaubar sind. Immer mehr Verbraucher wollen nämlich wissen, von wem und woher die Lebensmittel kommen. Was ja auch richtig ist.

Durch die Corona-Pandemie hat der lokale Bezug ja eine neue Bedeutung bekommen. Welche Vorteile haben regional erzeugte Lebensmittel für den Verbraucher?

In der Regel sind die Produkte frischer, vor allem aufgrund der kürzeren Transportwege. Der Kontakt zwischen Verbraucher und Erzeuger wird ermöglicht, was in meinen Augen ganz besonders wichtig ist, denn das erhöht ja auch das Vertrauen in die Qualität und in die Sicherheit der Lebensmittel. Ich würde sagen, nicht nur während der Corona-Pandemie liegen die Vorteile auf der Hand, sondern überhaupt: Regionale Lebensmittel tragen zur Einkommenssicherung bei, dadurch wird ein Beitrag zum Erhalt von Arbeitsplätzen geschaffen. Und gesellschaftlich wird die Lebensqualität und Attraktivität gefördert, der Transportaufwand wird verringert und durch die kürzeren Transportwege wird die Umwelt weniger belastet. 

Wenn es um Regionalität, bzw. regionale Produkte geht, die als echte Alternative gelten, da fallen einem spontan die Dachmarke „Made in Ostbelgien“ und die Marke „Fairebel“ ein, die ja in der letzten Zeit großes Medieninteresse genießen.

Die Dachmarke „Made in Ostbelgien“ und auch die Marke „Fairebel“ sind auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Denn regionale Produkte zu fördern und auch zu vermarkten ist eine wesentliche Strategie für nachhaltige Entwicklung. Nachhaltigkeit heißt ja, dass wir Vorsorge treffen müssen, unsere natürlichen Lebensgrundlagen, unsere biologische Vielfalt für die jetzige und für zukünftige Generationen zu erhalten. Ein nachhaltiges Modell des Wirtschaftens durch die Produktion und Vermarktung regionaler Produkte macht Sinn. Wie schon gesagt, das sichert Arbeitsplätze und bei regionalen Produkten geht es in erster Linie um landwirtschaftliche Erzeugnisse und dies kommt dem ländlichen Raum zugute. Davon profitiert nicht nur der Erzeuger, der Tourismus und letztendlich die Umwelt, sondern vor allem der Verbraucher.

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien