Verbrauchertipp: Ärger um’s Mindesthaltbarkeitsdatum

Fast jeder wird’s schon mal auf Lebensmitteln gesehen haben: Das Mindesthaltbarkeitsdatum. Dieses MHD gibt an, bis zu welchem Zeitpunkt das Lebensmittel seine Eigenschaften wie Geschmack, Geruch und Nährwert behält, wenn es richtig gelagert wird. Und dieses Mindesthaltbarkeitsdatum führt häufig dazu, dass Lebensmittel weggeworfen werden, obwohl sie noch genießbar sind.

Paar schaut auf Mindesthaltbarkeitsdatum

© Bildagentur PantherMedia / Studio GLC

Wir haben hier schon öfter über das Mindesthaltbarkeitsdatum gesprochen, warum ist das immer wieder aktuell?

Es gibt mehrere Gründe, das Thema anzusprechen: Einmal, weil viele Verbraucher Lebensmittel wegwerfen, sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Ein weiterer Grund ist, dass viele nicht den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum kennen. Und weil es bei uns im Grenzgebiet zu verwirrenden Situationen kommen kann: Wenn nämlich Produkte, die ich in Deutschland gekauft habe, ein MHD besitzen, das gleiche Produkt hier in Belgien aber mit einem Verfallsdatum gekennzeichnet ist.

Was ist der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum?

In Belgien und auch in anderen europäischen Ländern gibt es zwei Arten von Verfallsdaten: Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt, wie lange ein Lebensmittel bei richtiger Lagerung haltbar ist. Auf Französisch heißt das „à consommer de préférence avant le…“. Hier in Belgien findet sich das MHD oft auf Nudelwaren, Trockenkeksen, ultrahoch erhitzter Milch, Schokoladenartikeln oder auch Lebensmitteln in Büchsen wie eingelegte Tomaten.

Das Verbrauchsdatum ist eine ganz andere Geschichte: Produkte, die damit versehen sind, müssen bis zu diesem Datum auf der Verpackung verzehrt sein. In der Regel kommt das Verbrauchsdatum vor allem bei leicht verderblichen Lebensmitteln zum Einsatz, wie zum Beispiel bei Hackfleisch oder auch bei Feinkostsalaten. Und das muss man dann auch ernst nehmen. Das Verbrauchsdatum nennt nämlich, wie schon gesagt, den letzten Tag, an dem das Lebensmittel noch verzehrt werden kann.

Wichtig ist und bleibt: Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verbrauchsdatum.

Kommen wir jetzt mal zu den verwirrenden Situationen in Bezug auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Warum verwirrend?

Das Problem ist, dass verschiedene europäische Staaten die Benutzung des MHD und des Verbrauchsdatums unterschiedlich anwenden. Nehmen wir zum Beispiel einen Joghurtbecher. Ein in Deutschland gekaufter Joghurtbecher hat oft ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Das Kuriose ist, dass es passieren kann, dass der gleiche Joghurtbecher in Belgien ein Verfallsdatum besitzt. Da steht dann drauf: „à consommer jusqu’au…“. Wir haben festgestellt, dass vor allem Milchprodukte in Belgien oft mit einem Verbrauchsdatum versehen sind, wohingegen in Deutschland diese Produkte eher mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum gekennzeichnet sind.

Was sind die Gründe für diese Unterschiede?

Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Vielleicht will die Lebensmittelbehörde Afsca auf Nummer sicher gehen. Wir von der Verbraucherschutzzentrale hingegen vermuten, dass es sich eher um kommerzielle Aspekte handelt. Wenn ein Joghurtbecher in Belgien abgelaufen ist, muss man diesen wegwerfen und einen neuen kaufen.

Mal eine persönliche Frage: Wie gehst du denn mit einem in Belgien gekauften Joghurtbecher um, der ein Verbrauchsdatum trägt und abgelaufen ist?

Joghurt öffnen, schnuppern, anschauen und probieren – so einfach ist das. Egal, ob ich den Joghurt bei mir um die Ecke oder im Discounter in Deutschland gekauft habe.

Kehren wir noch mal zum Mindesthaltbarkeitsdatum zurück: Manchen Behörden und Politikern ist das MHD ja ein Dorn im Auge, Stichwort Lebensmittelverschwendung. Was sagt die Verbraucherschutzzentrale dazu?

Das stimmt, das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen. In Europa werden jährlich 90 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. Das ist Fakt. Und diese Zahl sollte sich auch die Lebensmittelbehörde Afsca mal zu Gemüte führen und statt des Verbrauchsdatums, beispielsweise für Milchprodukte, ein Mindesthaltbarkeitsdatum favorisieren. Um das in genauere Zahlen zu fassen: Jeder EU-Bürger wirft knapp 180 Kilogramm Obst, Gemüse, Fleisch und andere Nahrungsmittel in die Tonne. Aber das kann man nicht alleine dem MHD in die Schuhe schieben. Dafür ist noch eine ganze Reihe anderer Faktoren verantwortlich. In unseren Augen ist es wichtiger, dass der Verbraucher lernt, die Etikettierung eines Lebensmittels besser zu entschlüsseln. Dazu gehört eben auch das MHD. Und er muss wissen, dass bei Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums das Lebensmittel nicht weggeworfen werden muss, wenn er das Lebensmittel richtig gelagert hat.

Weitere Infos finden Sie auch im Netz unter vsz.be

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien