Verbrauchertipp: Mogelpackung des Jahres

Wenn wir Lebensmittel kaufen, gehen wir in der Regel davon aus, dass das Lebensmittel erstens in Ordnung ist und wir zweitens nicht übers Ohr gehauen werden. Doch in so manchen Fällen tricksen Hersteller mit perfiden Methoden entweder an den Inhaltsstoffen oder an der Menge, um das Produkt teurer verkaufen zu können. So hat die Verbraucherzentrale Hamburg schon vor Jahren die Aktion „Mogelpackung des Jahres“ ins Leben gerufen. Die Verbraucherzentrale moniert regelmäßig Tricksereien bei den Herstellern, wie zum Beispiel versteckte Preiserhöhungen.

Müsli © Bildagentur PantherMedia/Leung Cho Pan

Müsli © Bildagentur PantherMedia/Leung Cho Pan

Am Montag hat die Verbraucherzentrale Hamburg das Seitebacher-Müsli zur Mogelpackung des Jahres gekürt. Warum?

Da hat der Hersteller Seitenbacher wohl nicht mit den wachsamen Augen der Verbraucherschützer gerechnet. Die haben einfach die Füllmenge ihres Müslis von 1.000 auf 750 Gramm reduziert, die Inhaltsstoffe fast so belassen, wie sie waren, außer dass sie ein bisschen Honig hinzugefügt haben, und dann den Preis erhöht, sodass am Ende der Verbraucher für dieses Müsli 75 % mehr zahlen muss.

Das wurde konkret in Supermärkten getestet, beispielsweise bei Rewe. Da kostete die kleinere 750-Gramm-Tüte mit „Frucht-Müsli“ im Sommer 4,99 €. Für das vorherige Produkt mit 1.000 Gramm verlangte der Händler nur 3,79 €.

Dieses Seitenbacher-Müsli war 2020 vermutlich nicht die einzige Mogelpackung?

Nein, natürlich nicht. Auf den zweiten Platz kommen der Osterhase und Weihnachtsmann von Mondelez, deren Preis stieg um satte 36 %. Knapp dahinter auf Rang drei folgt die berühmte Kinderschokolade von Ferrero und auf dem vierten Platz das Katzenfutter „Whiskas Knuspertaschen“. Auf dem fünften Platz ist die Bifi-Minisalami von Jack Link’s gelandet.

Wie ist Seitenbacher mit diesen Vorwürfen umgegangen?

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat das Unternehmen im letzten Jahr mehrfach um eine Stellungnahme gebeten. Die haben aber nur gesagt, dass das Früchte-Müsli ein relativ neues Müsli sei. Die Verbraucherschützer bekamen weder Informationen zum Vorgängerprodukt noch zur Füllmengenreduzierung. Gegenüber der Presse war Seitenbacher auskunftsfreudiger. Die haben mitgeteilt, dass das Früchte-Müsli derzeit nicht mehr hergestellt wird, sie haben also die Produktion davon eingestellt. In manchen Supermärkten ist es aber noch erhältlich.

Versteckte Preiserhöhung geht ja gar nicht. Was sagt der Verbraucherschutz denn dazu?

Ich denke, hier ist vor allem die Politik gefragt. Das Beispiel zeigt, wie es in Deutschland ist, aber in Belgien oder in anderen europäischen Staaten dürfte es nicht anders sein. Viele der großen Lebensmittelhersteller agieren europaweit, also muss in meinen Augen auch eine europäische Lösung für dieses Problem gefunden werden. Der Verbraucher kann sich beim Einkauf ja kaum gegen die Tricksereien wehren.

In der Regel ist es oft so, dass die Hersteller die Füllmenge reduzieren und die Händler dann die Preise festlegen. Das ist dann für beide eine Win-Win-Situation, für die am Ende der Verbraucher die Zeche zahlen muss.

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien