Verbrauchertipp: Vorsicht vor Kettenbriefen

Ob im Messenger-Dienst, in sozialen Netzwerken oder per E-Mail: Kettenbriefe haben nicht erst seit der Corona-Pandemie Hochkonjunktur. Die Verbraucherschutzzentrale sagt Ihnen, worauf Sie Acht geben müssen.

Kettenbrief (Bild: © PantherMedia / Andriy Popov)

Kettenbrief (Bild: © PantherMedia / Andriy Popov)

Häufig nutzen Betrüger Kettenbriefe, um mit Falschmeldungen Angst zu verbreiten, Ihnen kostenpflichtige Abos unterzuschieben oder Ihre Daten abzugreifen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Wie funktioniert ein Kettenbrief?

Kettenbriefe verwenden das sogenannte Pyramidensystem (auch Schneeballsystem genannt) und erzielen schnell eine große Reichweite, indem sie mit einer ständig wachsenden Anzahl von Kontakten geteilt werden. Das folgende Beispiel zeigt, wie schnell so eine große Leserschaft erreicht werden kann:

  • Eine Nachricht wird ursprünglich an zehn Kontakte versendet und enthält den Aufruf, sie an zehn weitere Kontakte weiterzuleiten.
  • Die zehn Erstkontakte leiten die Nachricht weiter. Also 10×10 = 100 weitere Kontakte sind erreicht worden.
  • Schon nach nur fünf Schritten kann die Nachricht rund 100.000 Leser erreichen.
     

Das Kettenbrief-System funktioniert deshalb so gut, weil die Verfasser ihre Aufforderungen oft mit mitleiderregenden Geschichten oder sogar Drohungen verknüpfen. Wenn Sie die Nachricht teilen, winken laut Verfasser angeblich Preise oder Gutscheine. In anderen Fällen drohen sie mit Geldverlust oder einem Computerabsturz. Besonders Drohungen sorgen für Verunsicherung.

Welche Kettenbriefe sind ungefährlich?

In den meisten Fällen müssen Sie sich wegen des Inhalts der Nachrichten keine Sorgen machen. Häufig möchten die Versender sich nur einen Spaß erlauben oder Ideen verbreiten. Diese ungefährlichen Varianten des Kettenbriefs verlangen meist nicht, dass der Nutzer auf einen Link klickt. Dazu gehören vor allem religiöse und politische Nachrichten, aber auch Spiele oder Veranstaltungen, die so organisiert werden.

Wann sind Kettenbriefe gefährlich?

Sollen Sie im Kettenbrief auf einen Link klicken? Dann könnte es sich auch um Phishing, einen Angriff durch Schadsoftware oder einen Überlastungs-Angriff auf den Seitenbetreiber handeln.

Beim Phishing leiten Betrüger den Nutzer über den Link auf eine andere Seite weiter, die äußerlich oft einer bekannten Webseite nachempfunden ist. Hier sollen Sie dann Ihre Zugangsdaten eingeben. Die Betrüger greifen diese ab und können sie dann weiterverkaufen oder auf Ihre Kosten auf Einkaufstour gehen.

Auch einen Angriff durch Schadsoftware können Sie durch den Klick auf einen Link auslösen. Die Täter laden dann Schadsoftware auf Ihr Gerät, die sie für verschiedene kriminelle Zwecke nutzen können. Am häufigsten sind Trojaner wie beispielsweise Emotet, der sich verbreitet, indem er Ihre E-Mails automatisiert beantwortet, oder Online-Banking-Manipulationen.

Der dritte Fall, der sogenannte Überlastungs-Angriff (fachsprachlich DoS für Denial-of-Service), gilt dem Seitenbetreiber des geöffneten Links. Schaffen die Täter es, möglichst viele Nutzer zum Klick auf den Link zu bewegen, kann die Masse an Aufrufen zur Überlastung des Servers führen. Richtet sich dies etwa gegen einen Online-Shop, besteht der Schaden des Seitenbetreibers darin, dass er keine Verkäufe über den Shop mehr tätigen kann.

Beinhaltet ein Kettenbrief einen Link oder ein Spendenkonto, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um einen Betrugsversuch handelt. Als Faustregel gilt: Klicken Sie nicht auf einen Link unbekannten Ursprungs.

Ohne Link, aber dennoch mit Vorsicht zu genießen, sind Falschmeldungen oder Spendenaufrufe, die Sie in Form von Kettenbriefen erreichen. Falschmeldungen verursachen zwar keinen direkten wirtschaftlichen Schaden, sie spielen jedoch mit dem Unwissen und den Ängsten des Empfängers und bringen diesen zur Weiterverbreitung unwahrer Behauptungen. Teilweise kann das Verschwörungstheorien befeuern und das Vertrauen in seriöse Nachrichtenkanäle erschüttern (Stichwort: Fake News).

Bei Spendenaufrufen wiederum sollen Sie Geld auf ein in der Nachricht genanntes Spendenkonto überweisen, das von den Betrügern verwaltet wird. Gleiches gilt für die sogenannten „Make Money Fast“-Nachrichten, in denen der Verfasser von seiner meist erfundenen Geschichte vom schnellen Geld berichtet. Anstatt eines Links beinhalten diese Nachrichten häufig den Aufruf, einer privaten Gruppe innerhalb des Messenger-Dienstes beizutreten, in der weitere Details bekanntgegeben werden. Auch hier soll im Anschluss Geld eingezahlt werden. Egal ob Spende oder Geldanlage: Haben die Betrüger Sie einmal zur Zahlung gebracht, wird es schwierig, das Geld zurückzufordern.

Beachten Sie generell folgende Grundsätze im Umgang mit Kettenbriefen:

  • Berücksichtigen Sie beim Empfang eines E-Mail-Kettenbriefes die Sicherheitsmaßnahmen für Phishing.
  • Klicken Sie nicht auf Links und laden Sie keine Anhänge oder Dateien herunter. Schadsoftware wird häufig installiert, wenn Sie in dieser Form aktiv werden.
  • Geben Sie keine persönlichen Daten preis.
  • Werden Sie dazu aufgefordert, die Nachricht an Ihre Kontakte weiterzuleiten, löschen Sie die Nachricht, ohne der Aufforderung nachzukommen.
  • Antworten Sie nicht auf die erhaltene Nachricht.
  • Überweisen Sie kein Geld an unbekannte Konten – auch nicht an Spendenkonten. Sollten Sie spenden wollen, suchen Sie eine seriöse Organisation, um sicherzugehen, dass Ihr Geld für den richtigen Zweck verwendet wird.
  • Werden Sie innerhalb eines Kettenbriefes bedroht, können Sie bei der Polizei Anzeige erstatten.
  • Kennen Sie den Absender des Kettenbriefes, weisen Sie Ihren Bekannten auf die Risiken der Verbreitung solcher Nachrichten hin.
  • Ist der Absender unbekannt, blockieren Sie ihn und melden Sie den Vorfall Ihrem Messenger-Dienst.

Quelle: Verbraucherzentrale NRW