Verbrauchertipp: Gesundes Essen für alle

„Gesundes Essen für alle“ lautet der Titel eines Pilotprojekts, das von der Verbraucherschutzzentrale und dem Patienten Rat & Treff lanciert wurde. Ziel ist es, Kunden der Lebensmittelhilfe und der sozialen Treffpunkte zu gesünderem Essen zu motivieren und Kenntnisse über Haltbarkeitsdaten zu vermitteln.

Prall gefüllter Kühlschrank (Bild: Bildagentur PantherMedia / Andriy Popov)

Illustration: Bildagentur PantherMedia / Andriy Popov

Was war der Grund für die neue Initiative?

Grund ist, dass jeder siebte Belgier von Armut bedroht ist, auch in Ostbelgien und dass sich benachteiligte Familien oft schlechter ernähren und häufiger übergewichtig sind. Eine Priorität dieser Menschen ist es, einfach satt zu werden. Die Qualität der Ernährung ist dabei zunächst einmal zweitrangig. Und die Folgen sind ja bekannt: u.a. Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes. Und das belastet ja auch den Gesundheitssektor und treibt die Kosten in die Höhe.

Wo liegen die Schwerpunkte in diesem Projekt?

Es gibt drei Kernbotschaften, die wir vermitteln möchten:

Einmal geht es um das Mindesthaltbarkeitsdatum. Viele Verbraucher denken, wenn das MHD abgelaufen ist, muss ich das Lebensmittel entsorgen. Das stimmt nicht. Ich kann zuerst schauen, riechen und dann schmecken. So ersparen wir uns Müll und sparen vor allen Dingen auch noch Geld.

Die zweite Botschaft ist die Wertschätzung von Obst und Gemüse. Das heißt, eine Möhre mit zwei Beinen, ein Apfel mit ein paar dunklen Stellen und überreife Bananen sind durchaus essbar und daraus lassen sich leckere Gerichte zaubern.

Die dritte Botschaft ist gesundes Ernährung: Das bedeutet Wasser statt Limonade oder Cola, viel Gemüse und Obst statt Fast Food und auch weniger Fleisch.

Wie sollen die Botschaften vermittelt werden?

Die Botschaften werden auf unterschiedliche Art und Weise vermittelt:

Wir haben insgesamt drei Aktionen vorgesehen: eine im Juni, eine im September und eine Ende Oktober / Anfang November. Jede Aktion ist einem bestimmten Thema gewidmet. So waren wir z.B. am Dienstag in St. Vith, wo es um das Thema „Mindesthaltbarkeitsdatum“ ging.

Diese Aktionen bestehen aus Show Cooking vor dem Eingang der Lebensmittelhilfe. Zusätzlich werden dann auch vermehrt Obst und Gemüse verteilt. Wir machen über Flyer und Banner auf die einzelnen Botschaften aufmerksam.

Ein paar Tage später findet dann ein Event-Vortrag in einem sozialen Treffpunkt statt. Das ist einmal das Viertelhaus Cardijn in Eupen und einmal das Patchwork in St. Vith. Dort reden wir mit den Leuten, stellen die Themen auf spielerische Art und Weise vor und versuchen das Publikum zum Thema zu sensibilisieren.

Ein drittes Standbein sind Erklärvideos in Schiebetechnik. Zu jedem Thema wurde ein Erklärvideo in fünf Sprachen erstellt: auf Arabisch, Russisch, Türkisch, Französisch und Deutsch. Diese Videos werden auf den Accounts in den Sozialen Netzwerken der mitmachenden Organisationen gepostet und geteilt.

Und damit ist das Projekt beendet?

Nein. Es gibt eine sogenannte „Nachhaltigkeitsphase“. Das bedeutet, dass Kunden der Lebensmittelhilfe oder der sozialen Treffpunkte sich beispielsweise an Ernteaktionen in Eupen beteiligen können oder bei der Organisation „Vegder Jemös“ an der Feldarbeit.

Darüber hinaus kann auch das Angebot von Foodsharing Ostbelgien in Anspruch genommen werden.

Wie finanziert sich das Projekt:

Die Deutschsprachige Gemeinschaft unterstützt das Projekt großzügig und auch die König-Baudouin-Stiftung hat sich an den Kosten beteiligt.

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien