Verbrauchertipp: Pestizide und Mercosur

Wer liebt sie nicht: Mangos, Papayas oder Limetten? Im Supermarkt wird jeder fündig. Die große weite Welt ist zum Dorf geworden und der Handel mit exotischen Früchten hat immer mehr zugenommen. In diesem Zusammenhang spielt das Freihandelsabkommen Mercosur auch eine wichtige Rolle. Doch die Exotik hat einen faden Beigeschmack bekommen: Greenpeace hat nämlich in einer Studie Pestizidrückstände festgestellt.

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale (Foto: BRF)

Was bei der Studie rausgekommen ist, erläutert Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale.

Greenpeace hat im April und Mai in Deutschland fünf verschiedene Früchte aus Südamerika in den Supermärkten untersuchen lassen. Das waren einmal Mangos, Papayas, Melonen, Feigen und Limetten. Insgesamt handelte es sich um 70 Früchte, die getestet wurden. Davon enthielten 59 Früchte Pestizidrückstände. Das sind immerhin 84 Prozent. Und von diesen 59 Früchten haben vier die Grenzwerte eindeutig überschritten.

Der Handel mit exotischem Obst hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, welche Rolle spielt denn das Handelsabkommen Mercosur?

Das geplante Mercosur-Abkommen ist ein Handelsvertrag zwischen der EU und den südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Hierbei geht es um viel Geld. Die EU-Länder haben beispielsweise 2019 Waren im Wert von 41 Milliarden Euro in diese Staaten exportiert und die Importe beliefen sich auf knapp 36 Milliarden Euro.

Im Prinzip ist es so, dass die Mercosur-Länder die Rolle des Agrarexporteurs übernehmen und die Europäische Union exportiert hochwertige Technologie-Produkte. Aber das Problem ist, dass durch dieses Handelsabkommen Umweltzerstörung und Menschenrechte noch mehr zunehmen werden als bisher.

Wie kommt es zu dieser Einschätzung?

Laut Greenpeace wurden 2019 Pestizide im Wert von 915 Millionen Euro aus der EU in den Mercosur-Raum exportiert. Mehr als 2/3 dieser Stoffe wurden als hochgefährliche Produkte eingestuft. Einige Pestizide sind in Europa verboten, werden aber weiterhin in Südamerika eingesetzt. Der Pestizideinsatz wird durch dieses Handelsabkommen beispielsweise noch verstärkt.

Mit welchen Folgen müssen die Menschen dort vor Ort rechnen?

Die Folgen sind Abholzung, massiver Pestizideinsatz und oft auch, dass Menschen von ihren Ländereien vertrieben werden.

Larissa Bombardi, eine Professorin für Geographie in Sao Paulo sagt, dass Pestizide oft als chemische Waffen eingesetzt werden, indem beispielsweise die Wirkstoffe über Dörfer versprüht werden, damit die Menschen diese Dörfer verlassen. Die gesundheitlichen Schäden reichen von Erbrechen und Kopfschmerzen bis hin zu Missbildungen von Ungeborenen, Fortpflanzungsschwierigkeiten und Krebs.

Das geplante Handelsabkommen wird diese Problematik noch verstärken. Die Produktion von Agrargütern steigt nur durch vergrößerte Anbauflächen. Mehr zu exportieren bedeutet, mehr Regenwald zu zerstören, mehr Menschen zu vertreiben und mehr Pestizide zu versprühen. Allein im Mai wurde ein Gebiet größer als Hongkong abgeholzt, also über tausend Quadratkilometer Regenwald.

Davon profitieren auch europäische Unternehmen und Pestizidhersteller wie BASF oder Bayer.

Was muss sich ändern?

Die Experten sagen, dass beispielsweise in Brasilien ein Verbot für Pestizide her muss, die in Europa sowieso schon verboten sind. Das Spritzen aus der Luft muss aufhören, Subventionen für Pestizide müssen gestrichen werden und vor allem sollen die kleinbäuerlichen Strukturen auf dem Land gefördert werden. Und natürlich sollte auch das Land neu aufgeteilt werden.

Was kann der Verbraucher hier vor Ort tun?

Nach dem Einkauf im Supermarkt sollte der Verbraucher Obst und Gemüse zunächst gründlich waschen. Außerdem ist es sinnvoll, saisonal und regional Obst und Gemüse einzukaufen.

Die Verbraucherschutzzentrale ist gegen dieses Freihandelsabkommen Mercosur, wie es in seiner jetzigen Form geplant ist. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft gegen dieses Abkommen ausspricht.

Es gibt auch eine Bewegung hier in Belgien, die sich „Stop EU-Mercosur“ nennt, der sich neben der Verbraucherschutzzentrale auch die breite Gewerkschaftsfront angeschlossen hat, darüber hinaus auch Oxfam, Greenpeace, Entraite et Fraternité und Attac DG.

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien