Verbrauchertipp: Welcher Vertrag für welche Form der Unterbringung für Flutopfer?

Derjenige, der durch die Hochwasserkatastrophe kein Dach mehr über dem Kopf hat, ist froh, wenn er eine Wohnung gefunden hat oder jemanden, bei dem er unterkommen kann. Das alles kann auch vertraglich geregelt werden. Dafür bietet die Verbraucherschutzzentrale verschiedene Modellverträge an. Bernd Lorch hat die Infos.

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale (Foto: BRF)

Ist es nicht so, dass man zunächst andere Sachen wichtiger findet, als einen Modellvertrag über die Form der Unterbringung?

Ganz klar. Unmittelbar nach so einer Katastrophe steht einem nicht der Sinn nach Vertragsmodellen über die Art der Unterbringung. Darum geht es auch nicht. Ich denke, wenn der erste Schock überwunden ist und der Kopf ein bisschen frei geworden ist, dann ist auch Raum für andere Dinge da. Wie zum Beispiel die Art der Unterbringung. Dann können durchaus Fragen aufkommen, wenn es um die vertragliche Absicherung der Unterbringung geht. Welche möglichen Modellverträge gibt es in einem solchen Fall überhaupt, wenn man von der Hochwasserkatastrophe betroffen ist? Und da kann die Verbraucherschutzzentrale den Betroffenen Hilfe anbieten.

Welche Möglichkeiten kommen in Betracht?

Die erste Möglichkeit ist, eine neue Mietwohnung zu suchen, wenn die alte dauerhaft zerstört worden ist. In diesem Fall gelten die üblichen Regeln des Mietrechts: Alles was Dauer, Kündigungsfrist, Mietgarantie anbetrifft, … Also was das angeht, hat sich nichts geändert.

Die zweite Möglichkeit ist die Form der Notunterkunft. Diese gilt besonders für Eigentümer einer Wohnung. Diese Möglichkeit kommt nur dann in Betracht, wenn ein „angemessener“ Grund vorliegt, was ja bei einer Hochwasserkatastrophe der Fall ist und es sich auch um einen begrenzten Zeitraum handelt, wenn zum Beispiel die zerstörte Wohnung renoviert und wieder instandgesetzt werden muss. Hier gibt es eine sehr kurze Kündigungsfrist für die sogenannte Notunterkunft. Und wir haben dafür auch ein entsprechendes Vertragsmodell in der Verbraucherschutzzentrale bereit liegen.

Angenommen, man kennt jemanden, der eine Bleibe sucht, da diese Person durch die Hochwasserkatastrophe betroffen ist und man bietet ihr die eigene Wohnung umsonst an. Wie sieht es damit aus?

Das ist die dritte Möglichkeit. Wenn das Flutopfer von einem Nachbarn, einem Freund oder einem Familienmitglied aufgenommen wird, indem ihm z. B. ein Zimmer, eine Etage oder sogar vielleicht die komplette Wohnung zur Verfügung gestellt wird. Auch das kann und sollte schriftlich geregelt werden. Das nennt sich dann Kommodat oder einfacher ausgedrückt „Gebrauchsleihe“. Dafür bieten wir ebenfalls ein entsprechendes Vertragsmodell an.

Warum sollte man für den letzten Fall einen Vertrag aufsetzen, wenn man jemanden unentgeltlich beherbergen möchte?

Ganz einfach, um gewisse Regeln aufzustellen. Es kann ja durchaus sein, dass die aufgenommene Person sich an den Nebenkosten beteiligen kann. Und es ist wichtig zu wissen für beide Seiten, dass es sich um eine befristete Zeit handelt.

Weitere Informationen finden Sie unter vsz.be.

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien