Verbrauchertipp: Greenwashing bei Verpackungen

Verbraucher achten immer mehr auf umweltfreundliche Verpackungen. Sei es die Bio-Milch, die Zahnpasta oder die Kaffeekapsel. Die Konsumenten glauben, etwas Gutes zu tun, doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Diese Schummelei nennt sich „Greenwashing“. Die Verbraucherzentrale NRW hat in einer Studie 60 Verpackungen von Drogerieartikeln und Lebensmitteln auf ihren ökologischen Mehrwert untersucht. Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale hat die Infos.

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale (Foto: BRF)

Was bedeutet der Begriff „Greenwashing“?

Unter Greenwashing versteht man Firmen oder Händler, die versuchen durch Geldspenden, durch PR-Maßnahmen oder wie in unserem Beispiel durch Verpackungen sich besonders umweltfreundlich darzustellen. Wenn man an der Oberfläche kratzt, ist das Produkt alles andere als grün.

Nennen sie ein Beispiel, was mit der Studie über die Verpackungen zu tun hat.

Ein schönes Beispiel sind Milchkartons oder auch Plastikbecher im Altpapierlook. Diese Kartons oder Becher bestehen außen aus einer Pappschicht und innen ist eine Kunststoffschicht. Beide Schichten sind miteinander verklebt und somit schwierig und aufwendig zu recyclen, da beide Schichten schwer zu trennen sind. Die Milchkartons müssen wie andere Tetrapacks entsorgt werden und gehören nicht ins Altpapier.

In der Studie werden auch Verpackungen von Zahnpasta unter die Lupe genommen.  Ist das nicht Augenwischerei?

Auf jeden Fall ist das Augenwischerei. Es macht keinen Sinn, eine Zahnpastatube nochmals in einen Karton zu stecken. Das macht zusätzlich Müll. Es gibt eine ganze Reihe von Zahncremes, die auf die zusätzliche Verpackung verzichten.

Wie steht es mit recycelten Verpackungen wie „social plastic“?

Nachhaltige Verpackungen aus recyceltem Material sind voll im Trend. Sie sind bis zu 70 Prozent aus wiederverwendetem Plastikmüll.  Wenn mehr Händler und Hersteller sich dafür einsetzten, dass mehr Material aus Müll produziert würde, wäre das gute Kreislaufwirtschaft. Die entsorgten Abfälle werden wieder gewonnen und das gleiche Material geht in eine neue Verpackung über.

Mit welchen Tricks arbeiten die Hersteller von Verpackungen noch?

Da bieten sich vor allem Verbundverpackungen an. Das sind so genannte Sandwichverpackungen die aus mehreren Schichten bestehen, manchmal bis zu 5 Schichten: die erste Schicht besteht aus einer Folie, dann kommt Pappe, dann Aluminium, so dann wieder Pappe und am Ende wieder Folie. Die Hersteller werben mit Aussagen wie: Besteht zu 89 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und ist zu 100 Prozent recycelbar. Diese Aussagen sind total irreführend.

Wie kann der Verbraucher Greenwashing bei Verpackungen entdecken?

Der Verbraucher sollte sich nicht vom schönen Schein blenden lassen, wenn ein Lebensmittel wie Bio-Milch im Altpapierlook verpackt ist. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, der in Bezug auf Verpackungen strengere Regeln einfordern sollte, damit dieses Greenwashing schon im Vorfeld unterbunden werden kann.

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien