Verbrauchertipp: Der Goldene Windbeutel 2021

Es ist der Preis, den keiner will: der Goldene Windbeutel. Er wird jedes Jahr für die aggressivste Werbemethode vergeben. Die Organisation foodwatch hat dieses Jahr zum elften Mal den Schummelkönig der Lebensmittel-industrie gekürt.

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale (Foto: BRF)

Was ist der Goldenen Windbeutel?

Der Goldene Windbeutel ist ein Wettbewerb für aggressive Werbemethoden und dreiste Werbelügen. Die Verbraucherorganisation foodwatch in Deutschland erhält so im Jahr durchschnittlich 1.000 Hinweise auf Etikettenschwindel und die schlimmsten Werbelügen gehen ins Rennen um den Goldenen Windbeutel.

Auf seinem Internetportal stellt foodwatch meistens vier bis fünf Produkte zur Wahl. Dort gibt es zu jedem Produkt eine Infotafel und der Verbraucher kann dann seine Stimme abgeben.

Wer hat dieses Mal den Goldenen Windbeutel bekommen?

Rewe hat in diesem Jahr die Auszeichnung für die dreisteste Werbelüge des Jahres erhalten. Genauer gesagt die als klimaneutral beworbenen Hähnchenbrustfilets von Rewes Eigenmarke ‚Wilhelm Brandenburg‘.
28% der 63.000 Umfrage-Teilnehmer haben sich für diese Produkt entscheiden. Das Hähnchenfleisch wird nicht emissionsfrei hergestellt, sondern Rewe versucht mit Unterstützung von umweltfreundlichen Projekten die entstandenen Emissionen auszugleichen.

Was ist das Problem?

Laut foodwatch ist es in diesem Fall kein korrekter Ausgleich. Recherchen, die foodwatch in Auftrag gegebenen hat, kamen zu dem Ergebnis, dass das von Rewe unterstützte Projekt in Peru den Anforderungen zum CO2-Ausgleich keinesfalls erfüllen würde. Dadurch würde der dortige Wald und auch das Klima überhaupt nicht geschützt. Hier spricht man von modernem Ablasshandel. Rewe erkauft sich durch CO2-Zertifikate eine weiße Weste, ohne etwas zu tun.

Welche anderen Lebensmittel wurden noch für den Goldenen Windbeutel nominiert?

Auf Platz 2 kam „Volvic Natürliches Mineralwasser“ von Danone.  Dieses Wasser hat ein „Klimaneutral“-Label. Es wird aber per LKW von Frankreich nach Deutschland transportiert und in nicht ganz so umweltfreundlichen Einweg-Flaschen abgefüllt. Ein riesiger CO2-Sünder. Auf Platz 3 folgten die „Green Cap Kaffeekapseln“ von Mövenpick. Diese ‚Green Caps‘ sind alles andere als grün. Sie sind weder recycelbar noch kompostierbar – sondern müssen verbrannt werden.

Wie reagieren die Unternehmen auf so eine Auszeichnung?

Niemand möchte den Goldenen Windbeutel verliehen bekommen. Vor zwei Jahren hat Zwergenwiese die Auszeichnung für seine Kindertomatensauce bekommen, weil diese zu viel Zucker enthielt. Sie haben den Preis persönlich entgegengenommen und Besserung gelobt. Eine Ausnahme. Der Goldene Windbeutel wird zwar nur in Deutschland vergeben. Allerdings ist diese Meldung auf fast allen Medienkanälen zu lesen und die Wirksamkeit solcher Meldungen sollte nicht unterschätzt werden. Rewe reiht sich leider in die lange Liste der Hersteller ein, die den Preis nicht annehmen wollen.

Die Verbraucherorganisation foodwatch will durch diese Maßnahme auf legale Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und dadurch auch bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln erwirken.

Infos: Bernd Lorch, VSZ Ostbelgien