Verbrauchertipp: Die Krux mit den Holzsiegeln

Mit der Einführung von Zertifikaten sollen die Wälder auf der Erde besser geschützt werden. Dies gilt für europäische Wälder und erst Recht für die Regenwälder in Übersee. Doch für was steht eigentlich welches Siegel?

Greenpeace Aktivist prangert Etikettenschwindel an

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Mit der Einführung von Zertifikaten sollen die Wälder auf der Erde besser geschützt werden. Dies gilt für europäische Wälder und erst Recht für die Regenwälder in Übersee. Doch für was steht eigentlich welches Siegel?

„Zertifizierung“ lautet das Zauberwort. Ob FSC oder PEFC, der Wald soll geschützt werden. Das System der Zertifizierung wurde geschaffen, um vor allem den Regenwald nachhaltig zu bewirtschaften und zu schützen. Davon sind wir noch weit entfernt. Der Prozess schreitet unaufhaltsam voran – außerhalb der Tropen, in Gebieten, für die er ursprünglich nicht erdacht wurde. Kann der Verbraucher den Holz-Siegeln wirklich vertrauen?

Ob FSC- oder PEFC-Siegel, die Antwort ist wie so oft, gar nicht so einfach. Es hängt ganz davon ab, welches Holz der Kunde kauft. Das FSC-Siegel wird in den meisten Fällen für Tropenhölzer verwendet. Unter Tropenholz versteht man das Kernholz verschiedener Arten tropischer Laubbäume. Für die Holzwirtschaft kommen vor allem Teak, Mahagoni, Meranti, Eukalyptus oder Bangkirai zum Einsatz. Der Vorteil tropischer Hölzer ist, dass viele von ihnen extrem hart sind und äußerst widerstandsfähig gegenüber Wetter, Schädlingen, Pilzen und auch Chemikalien sind.

Das PEFC-Siegel kommt vor allem in Europa vor und betrifft hier die heimischen Holzarten wie Fichte, Lärche, Kiefer, Buche oder Eiche. Beide Siegel haben sich der Nachhaltigkeit verpflichtet. Damit ist gemeint, dass nicht mehr Bäume eingeschlagen werden als nachwachsen.

FSC

Dieses Siegel steht für Forest Stewardship Council und ist eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in Bonn. Sie versucht, einen wesentlichen Anteil aller Wälder der Welt unter nachhaltige Bewirtschaftung zu stellen. Der FSC hat sich zehn verschiedenen Kriterien verpflichtet, unter anderem dem Schutz indigener Völker oder der Gewährleistung von Artenvielfalt und Landschaftsschutz oder der Erhaltung von Wäldern mit hohem Schutzwert. Das können dann sogenannte Primärwälder oder Regenwälder sein. Einige Unternehmen haben das FSC-Siegel erhalten, obschon sie in schwere Menschenrechtsverletzungen verstrickt waren. So zum Beispiel der Palmölhersteller IOI, der auf Borneo 7.000 Hektar Regenwald illegal abgeholzt und Ureinwohner und Bauern vertrieben hat. Andere Organisationen kritisieren auch den Plantagenanbau von Wäldern, den der FSC unter anderem befürwortet. Die sogenannten industriellen Wälder stehen meistens dort, wo es früher Naturwälder gab.

Etwas problematisch ist auch das Siegel an und für sich. Der Verbraucher sieht meistens nur FSC auf dem Etikett, das kleine Anhängsel „mixed sources“ wird meistens übersehen. Und das bedeutet, dass die Produkte bis zu 50 Prozent auch aus anderen Rohstoffquellen stammen können, die eben nicht zertifiziert sein müssen. Experten mutmaßen, dass die fehlenden 50 Prozent dann illegaler Holzeinschlag sind. Insgesamt ist das FSC-Siegel nicht so sicher, wie wir es als Verbraucherschützer uns gerne wünschen.

PEFC

Auch die europäische Forstwirtschaft traut dem FSC-Siegel nicht so richtig. Zu bürokratisch, zu hohe Aufwendungen und zu teuer, vor allem für kleinere Holzbetriebe. Unter anderem war dies einer der Gründe, weshalb in Europa das PEFC-Siegel (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) vor rund 10 Jahren aus der Taufe gehoben wurde. In Europa ist dieses Siegel relativ weit verbreitet und genießt allgemeine Zustimmung, da es auch „bezahlbar“ ist und nach Expertenangaben die gleiche Güte wie das FSC-Siegel aufweist.

Das System der Zertifizierung wurde geschaffen, um vor allem die tropischen Wälder nachhaltig zu bewirtschaften und dabei zu schützen. Jedoch hat die Zertifizierung die Tropen bisher nur wenig erreicht, dafür sind aber in den Industriestaaten sehr viele Waldflächen zertifiziert.

In Europa stammen rund 80 Prozent der erwirtschafteten Hölzer aus zertifizierten Beständen, das meiste davon Fichtenholz. In Ländern mit hohem Anteil an Privatwaldbesitz können oder wollen kleinere Forstbetriebe sich die Zertifizierung nicht leisten. „Das heißt aber nicht, dass die entsprechenden Waldflächen schlecht bewirtschaftet worden sind“, so ein Experte.

Für den Verbraucher ist das eine Krux mit dem richtigen Holz-Siegel. In den Fachgeschäften kann durchaus davon ausgegangen werden, dass die meisten heimischen Holzsorten wie Fichte, Lärche, Buche, Birke und Eiche aus zertifizierten Beständen stammen. Problematisch wird’s dann allerdings, wenn die entsprechenden Holzarten aus Russland stammen. Nachfragen lohnt sich. Für tropische Holzarten eignet sich noch am besten das FSC-Siegel. Obwohl auch hier – nicht zuletzt wegen der anhaltenden Kritik – ein großes Fragezeichen gestellt werden dürfte.

Foto (Illustration): Rolf Vennenbernd (epa)

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