Verbrauchertipp: Limonadensteuer

Grundsätzlich ist nichts einzuwenden, wenn eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke eingeführt wird. Aber die Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien plädiert für eine Ampelkennzeichnung der Lebensmittel.

Die Limonadensteuer auf Erfrischungsgetränke ist beschlossene Sache und in aller Munde. Ziel sei es – so die Föderalregierung – das Ernährungsverhalten der Verbraucher in Belgien zu ändern. Pro Literflasche Limonade fällt künftig eine Steuer von drei Cent an. Damit nicht genug: Gesundheitsministerin Maggie De Block will die Steuer auch auf Salz und Fettsäuren ausdehnen. Doch es gibt auch kritische Stimmen, was dieses Verfahren anbetrifft.

Es fehlt ein grundsätzliches Konzept

Wir von der Verbraucherschutzzentrale haben unsere Bedenken im Umgang mit der Limonadensteuer. Grundsätzlich ist ja nichts einzuwenden, wenn eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke eingeführt wird. Aber im Grunde genommen werden die eigentlichen Probleme gar nicht angesprochen. Hier geht es nur darum, das Geld in die Staatskasse gespült wird – mehr nicht. Es geht schätzungsweise um 50 Millionen Euro.

Was hier fehlt, ist ein grundsätzliches Konzept, so dass der Verbraucher auf einen Blick erkennen kann, ob er sich für jene Lebensmittel entscheidet, die mehr oder weniger gesund sind, oder für jene, die ungesund sind. Diese Entscheidung wird dem Verbraucher aber nicht gegeben, oder nur unzureichend.

EU-Lebensmittelkennzeichnung

Ziel sollte ja sein – wie jetzt die Kampagne Tutti Frutti unterstreicht – dass der Verbraucher sich gesünder ernähren soll. Da ist es mit einer Limonadensteuer nicht getan.Der Verbraucher soll die Möglichkeit haben, zumindest bei allen verpackten Lebensmitteln schnell entscheiden zu können, ob diese zuviel Zucker, Salz, Fett oder gesättigte Fettsäuren enthalten.

Die EU hat eine neue Lebensmittelkennzeichnung ins Leben gerufen, die schon jetzt auf zahlreichen verpackten Lebensmitteln zu finden ist, aber die wenigsten Verbraucher können etwas damit anfangen. Ich nehme mal ein Beispiel von einem Paket Plätzchen, das ich gerade hier in der Hand halte und da steht ganz groß vorne drauf: Ohne hinzugefügten Zucker! Dann lese ich hinten auf der Tabelle der Nährwertkennzeichnung: auf 100 Gramm 2,5 Gramm Zucker, 24,5 Gramm Polyolen, 23 Gramm Fett, 62 Gramm Kohlenhydrate… und noch ein paar andere Angaben.

Ist das jetzt viel Zucker oder wenig? Wenn man die 2,5 Gramm nimmt, ist das wenig. Aber was ist Polyolen? Das sind 24,5 Gramm und Polyolen ist Zuckerersatz, also ein Süßungsmittel. Und 62 Gramm Kohlenhydrate auf 100 Gramm ist jede Menge. Also mit dieser von der EU vorgeschriebenen neuen Lebensmittelkennzeichnung können nur die wenigsten etwas anfangen.

Und welcher Verbraucher hat Zeit, Nerven, eine Lupe und einen Taschenrechner zur Hand, um sich durch einen Wust aus Zahlen und Prozentangaben beim Einkaufen durchzukämpfen? Die wenigsten.

Die Verbraucherschutzzentrale plädiert für eine Ampelkennzeichnung

Wenn der Verbraucher die Möglichkeit haben soll, schnell und effizient zu erfahren, ob in dem Paket Plätzchen zuviel Zucker oder Fett drin ist, dann führt kein Weg an einer Ampelkennzeichnung vorbei. Die Ampel mit ihren Farben Rot, Gelb und Grün zeigt klar und verständlich wie viel Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz ein Lebensmittel enthält. Damit ist dem Verbraucher zumindest eine Entscheidungsmöglichkeit zwischen gesunden und ungesunden Lebensmitteln gegeben.

Die Ampelkennzeichnung ist zwar von der EU vor einigen Jahren vom Tisch gefegt worden, weil die Nahrungsmittelindustrie sich durchgesetzt hat, aber einzelne Staaten können darüber hinausgehen und die Ampelkennzeichnung verwenden, wie es beispielsweise die Briten tun. Das ist in meinen Augen sinnvoller, als nur eine Limonadensteuer, die nur die Staatskasse füllen soll.

Weitere Infos finden Sie auch im Netz unter vsz.be.

Infos: Bernd Lorch, Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien/Foto: Siska Semmelprez,Belga

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