Verbrauchertipp: Auch Weihnachtsgeschenke sollen lange halten

Könnte es sein, dass die Hersteller bewusst Schwachstellen in Produkte einbauen, damit sie früher kaputt gehen? Geplante Obsoleszenz.

Weihnachten steht vor der Tür, die meisten sind jetzt im Geschenke-Fieber und wenn es denn mal soweit ist, dann ist in der Regel die Freude groß über die Geschenke unterm Weihnachtsbaum verbunden mit der Hoffnung, dass man möglichst lange davon hat.

Aber das mit dem „lange halten“ ist heute oft ein Problem: Wer hat sich nicht schon mal selbst darüber geärgert, dass das Smartphone, der mp3-Player, der Drucker oder die Kaffeemaschine kurz nach Ablauf der Garantie plötzlich seinen Geist aufgibt. Ziemlich ärgerlich so was, weil wieder etwas Neues gekauft werden muss. Und das belastet nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt.

Könnte es sein, dass die Hersteller bewusst Schwachstellen in Produkte einbauen, damit sie früher kaputt gehen?

An dieser Aussage ist mit Sicherheit was dran. Dazu gibt es ein wunderbares Beispiel, nämlich das der Glühbirne. Die ersten Glühbirnen von Edison hielten ja länger als die letzten, die jetzt noch in Gebrauch sind. Die Hersteller haben letztes Jahrhundert ziemlich schnell herausgefunden, dass man mit dieser Einstellung kein Geld verdienen kann und haben das Leben der Glühbirne auf 1000 Stunden festgenagelt, obschon es für sie kein Problem gewesen wäre, diese auf 5.000 oder sogar 10.000 Stunden zu erhöhen. Jüngste Beispiele sind zum einen die ipod-Modelle von Apple, wo Akkus so konzipiert wurden, dass sie erstens nicht lange hielten und zweitens nicht austauschbar waren.

Eine andere Geschichte ist das mit den Druckern: Sobald eine gewisse Anzahl Seiten gedruckt wurden, zeigte der Drucker eine Fehlermeldung an und man musste einen neuen kaufen.

Neigen wir Verbraucher nicht auch dazu, schon etwas Neues zu kaufen, obwohl das Alte noch nicht kaputt ist?

Der Trend, immer schneller etwas Neues zu kaufen, hat sich in den letzten Jahren tatsächlich verstärkt. Das zumindest behaupten zahlreiche Marketingexperten. Und wo wir schon beim Stichwort sind: Die Werbung ist ungemein innovativ, massiv und auch teilweise aggressiver geworden.

Ein 18-Jähriger Durchschnittsamerikaner hat bis zu seinem 18. Geburtstag über 100.000 Werbebotschaften sprichwörtlich aufgesogen. Und ist praktisch von Konzerninteressen durchimprägniert und soll sich jetzt frei entscheiden, was er kaufen will? Das kann er doch gar nicht und das ist kein faires Spiel.

Nehmen wir nur die Lebensmittelindustrie: Vernünftige Lebensmittel wie zum Beispiel Milch oder Vollkornbrot. Die haben einfach schlechte Karten im Vergleich zu Cola, Mc. Donalds oder Milchschnitte von Ferrero. Da hat die Vernunft es ziemlich schwer.

Die Leute sollen kaufen, damit die Wirtschaft angekurbelt wird.

Da sind sich die Experten natürlich nicht einig. Langfristig wird dem Verbraucher was vorgemacht, sagen die einen. Die kurzlebigen Produkte sind gut für die Rendite, für die Investoren, aber nicht für uns Verbraucher. Und da haben die Renditeinteressen einfach Vorrang vor Verbraucherinteressen. Andere hingegen sagen, dass „Geplante Obsoleszenz“ eher übersetzt werden kann mit vernünftige Gebrauchsdauer. Die sagen, eine große Lebensdauer ist möglich, wenn der Kunde dafür bezahlt.

Die Folgen für Mensch und Umwelt sind verheerend.

Die Folgen für Mensch und Umwelt sind gigantisch. Geplante Obsoleszenz verursacht Berge von Müll nicht nur bei uns, sondern vor allem in der Dritten Welt. Nach Angaben von Germanwatch produzieren wir in Europa jährlich mehr als 8 Millionen Tonnen Elektroschrott, davon werden aber nur 25 Prozent recycelt. Der Rest landet getarnt als funktionierende Gebrauchsgeräte auf illegale Mülldeponien in Afrika oder China. Und dort werden die Geräte sortiert und die Metalle mit äußerst primitiven Methoden herausgelöst. Wie zum Beispiel durch Erhitzen der Speicherchips, wobei hochgiftige Gase entstehen. Oft sind es Kinder und Frauen, die für diese Arbeit zuständig sind. Die Folgen für Mensch und Umwelt sind verheerend.

Gegen geplante Obsoleszenz von Produkten

Die Idee ist auf jeden Fall zu unterstützen. In Frankreich gibt es schon ein Gesetz, das Unternehmen bestraft, die Produkte verkaufen, die nicht auf lange Lebensdauer ausgerichtet sind. Verbraucherschutzminister Peeters will ja zunächst eine Untersuchung starten und herausfinden, welche belgischen Unternehmen in ihren Produkten ein so genanntes geplantes Verfallsdatum einbauen. Alleine damit hat er alle Hände voll zu tun. Und ich frage mich, wer diese Herkulesaufgabe bewältigen will. In meinen Augen müsste die Sache auf europäischer Ebene angegangen werden, doch ich kann mir vorstellen, dass das kein leichtes Unterfangen sein wird.

Ein Ansatz gegen die geplante Obsoleszenz vorzugehen wäre die Verlängerung von Garantien und Gewährleistungszeiten. Radikale Experten, wie der französische Wirtschaftsprofessor Serge Latouche, sieht die Wachtumsrücknahme als einzige Alternative.

Ein Wirtschaftssystem, in der Firmen auf gezielte Verkürzung der Lebensdauer setzen, ist einfach nicht nachhaltig und nicht zukunftsfähig. Im Grunde genommen sind laufzeitverkürzte Produkte eine beleidigende Unverschämtheit.

Weitere Infos finden Sie auch im Netz unter vsz.be.

 

 

 

Infos: Bernd Lorch, Verbraucherschutzzzentrale Ostbelgien

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150