Verbrauchertipp: Mietindexsprung

Ab April dürfen keine Mieten in der Wallonischen Region, also auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, für ein Jahr lang indexiert werden. Infos von Bernd Lorch der Verbraucherschutzzentrale.

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Der Mietindex

Genau genommen handelt es sich nicht um eine Mieterhöhung, sondern um eine Anpassung des Mietpreises an die Lebenshaltungskosten. Im Grunde wird verglichen, wie viel war der Euro zu Beginn des Mietverhältnisses wert und wie viel ist er jetzt wert. Es gibt Jahre, da handelt es sich tatsächlich um eine reine Formsache, wenn der Mietindex keine großen Auswirkungen auf den Mietpreis hat. Aber es hat auch Jahre gegeben, da haben manche Mieter plötzlich ganz schön tief in die Tasche greifen müssen.

Der Mietindex ist gebunden an die Inflation. Wenn plötzlich das Leben im Allgemeinen teurer wird, steigen auch im Nachhinein die Mieten. Das heißt, der Mietindex ist an den Gesundheitsindex gebunden. Dieser berücksichtigt die Preisentwicklung beispielsweise von Heizöl, Gas und Strom. Wenn die jetzt plötzlich drastisch steigen, dann schießt quasi der Gesundheitsindex nach oben und das hat dann Auswirkungen auf den Mietindex und letztendlich auf den Mietpreis.

Wie wird der Mietindex berechnet?

Ausschlaggebend ist der Zeitpunkt, an dem der Mietvertrag abgeschlossen wurde. Bei der Berechnung braucht der Vermieter drei verschiedene Zahlen, die er wissen muss: Da ist einmal die Basismiete, dann der Gesundheitsindex und zum Schluss der Ausgangsindex. Der neue Mietpreis wird errechnet, indem man die Basismiete mit dem neuen Gesundheitsindex multipliziert und das Ganze dann durch den Ausgangsindex teilt.

Der Vermieter muss dem Mieter die Mietindexierung schriftlich mitteilen. Der Gesundheitsindex ist in der Regel in den meisten Tageszeitungen angegeben, man kann ihn aber auch problemlos bei uns in der Verbraucherschutzzentrale erhalten.

Beispiel

Nehmen wir mal an, ich habe einen Mietvertrag am 16. November 2013 abgeschlossen, dann ist der Ausgangsindex der Monat Oktober 2013. Also man muss immer den Monat vor Vertragsabschluss nehmen. Der Gesundheitsindex oder neuer Index ist immer der Monat vor Inkrafttreten des Mietvertrags.

Also in unserem Beispiel ist der Mietvertrag am 1. Dezember 2013 in Kraft getreten, dann kommt nur der November für den Gesundheitsindex in Frage. Ich habe es mal ausgerechnet: Nehmen wir mal an, die Basismiete beträgt 600 Euro. Der Ausgangsindex für Oktober 2013 beträgt 100,18. Der Index für November 2015 beträgt 102,28, ist also etwas höher. Wenn ich jetzt die Basismiete, also 600 Euro, multipliziere mit 102,28 geteilt durch 100,18 dann erhalte ich genau 612,58 Euro. Also gibt es eine Mietpreiserhöhung von 12 Euro und 58 Cent. Ganz wichtig ist, zu wissen, wann der Mietvertrag abgeschlossen worden ist und wann trat der Mietvertrag in Kraft.

Der neue oder aktuelle Mietpreis wird immer auf Grundlage der Basismiete errechnet, also in unserem Beispiel immer ausgehend von den 600 Euro. In unserem Beispiel gibt es so genannte Konstanten und das sind einmal die Basismiete und der Ausgangsindex. Was sich ändert ist der neue Index.

Indexsprung für Mieten in der Wallonischen Region

Die Wallonische Region möchte verhindern, dass die Mietpreise ein Jahr lang indexiert werden, damit die Kaufkraft der Bürger nicht noch weiter sinkt. Mittlerweile wurde der Dekretentwurf von der wallonischen Regierung angenommen. In knapp zwei Wochen wird das Gesetz im Wallonischen Parlament verabschiedet. Und sobald es im Moniteur veröffentlicht ist, wird es nur noch wenige Tage dauern, bis es in Kraft tritt.

Wir können davon ausgehen, dass spätestens ab April keine Mieten in der Wallonischen Region, also auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, für ein Jahr lang indexiert werden dürfen.

Infos und Link zum Mietindexkalkulator auf vsz.be

Infos: Bernd Lorch, Verbraucherschutzzzentrale Ostbelgien

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