Verbrauchertipp: Das Plastikproblem

Ab Mitte des Jahres werden Plastikbeutel schrittweise aus den Geschäften verbannt. Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien informiert über die Maßnahmen.

UK plastic bag ban

Jede Stunde werden knapp 700 Tonnen Müll weltweit ins Meer gespült werden, die Hälfte davon besteht aus Plastik. Plastik ist vor allem praktisch und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch Plastik ist auch der Müll, den wir nicht mehr los werden. Denn Kunststoff schwimmt im Meer und schädigt nicht nur die Umwelt, sondern gelangt auf Umwege wieder bei uns auf den Teller.

Im Durchschnitt sind das laut EU-Angaben knapp 200 Tüten pro Jahr, die jeder Europäer nutzt. Das machen so um die acht Milliarden Beutel, von denen ein Großteil in der Landschaft oder im Meer verschwindet. Wir dürfen nicht vergessen, dass mehr als 70 Prozent des Plastikmülls auf den Meeresboden sinkt, weitere 15 Prozent werden an den Küsten angespült: Also was wir sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs.

Das Problematische an den Plastiktüten

Da ist zunächst einmal die Lebensdauer. Die Lebensdauer von Plastik beträgt circa 450 Jahre, ehe der sich in der Natur auflöst. Bei diesem Zersetzungsprozess können nach und nach kleinere Bruchstücke und Giftstoffe an die Umgebung abgegeben werden. Ein anderes Problem ist Mikroplastik aus Kosmetik sowie Kunststofffasern aus Fleecepullis.

Kläranlagen können das Plastik nicht aus dem Abwasser herausfiltern, es landet irgendwann im Fluss und dann im Meer. Man hat es ja schon mal öfters im Fernsehen, im Internet oder auch in Zeitschriften gesehen, da sind die riesigen Müllteppiche, die sich auf dem Meer bilden.

Viele Tier halten diese Plastikreste für Nahrung, fressen das dann und verenden hinterher qualvoll. Die EU-Kommission schätzt, dass 94 Prozent aller Nordseevögel inzwischen Plastik im Bauch haben. Und die Forscher finden immer mehr Belege, wie Plastik noch in die kleinsten Winkel unserer Ökosysteme dringt. Im Grunde genommen gibt es fast kein Gewässer mehr, das völlig frei von Plastikrückständen ist.

Maßnahmen der Europäischen Union und der Wallonischen Region

Die EU-Kommission sieht vor, dass bis Ende 2019 nur noch halb so viele Plastiktüten verwendet werden dürfen wie 2010. Um das jetzt in Zahlen auszudrücken:

  • 2010 benutzte jeder Europäer im Schnitt knapp 180 Plastiktüte
  • 2019 sollen es dann nur noch 90 sein
  • 2025 dann nur noch 40 Tüten pro Jahr.

Aber die EU-Kommission sagt auch, – und das ist in meinen Augen ein Wermutstropfen – dass diese Maßnahmen nicht zwingend sind, sondern jedes EU-Land kann selbst bestimmen, welche Alternativlösungen angepackt werden, welche Präventionsmethoden durchgeführt werden sollen.

Die Wallonische Region geht weiter als die EU-Vorgaben, denn ab 2017 werden Verpackungsbeutel für Obst und Gemüse verbannt. Also die Maßnahmen von Umweltminister Di Antonio gehen schon in die richtige Richtung. Wir gehen mit gutem Beispiel voran.

Weitere Infos im Netz unter vsz.be

Infos: Bernd Lorch, Verbraucherschutzzzentrale Ostbelgien / Foto: Andy Rain/AFP

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