Verbrauchertipp: Zusatzstoffe in Lebensmitteln

Rund 350 Zusatzstoffe dürfen in der Europäischen Union Lebensmitteln beigemischt werden. Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale informiert im BRF-Verbrauchertipp darüber , was Zusatzstoffe sind, ob welche bedenklich sind und was wir als Verbraucher tun können.

EU-Kennzeichnung auf Lebensmittel

EU-Kennzeichnung auf Lebensmittel (Foto: Jonas Hamers, BELGA)

Also wenn mein Blick auf eine Zutatenliste von einer Tütensuppe fällt, dann komme ich schon mal ins Grübeln, denn im Grunde genommen bin ich kein Chemiker – und vielleicht geht es Ihnen ja genauso. Da ist dann die Rede von E340 als Stabilisator oder E160 als Farbstoff. Weiter geht es mit Hefeextrakt oder Namen, die einem nur schwer über die Lippen kommen.

Auf vielen Zutatenlisten wimmelt es nur so von Konservierungs- und Farbstoffen, Emulgatoren oder Stabilisatoren und kaum jemand kennt sich aus im Dschungel der Lebensmittel-Zusatzstoffe.

Was sind Zusatzstoffe und warum braucht man sie?

Zusatzstoffe sind Stoffe, die Lebensmitteln absichtlich beigemischt werden. Und das hat auch seinen Grund: Zum einen lassen sich durch Zusatzstoffe, die Lebensmittel besser verarbeiten, zum anderen, sehen die Produkte besser aus, riechen besser, schmecken besser und halten sich länger.

Wie viele Zusatzstoffe gibt es?

Derzeit gibt es so rund 350 verschiedene Zusatzstoffe, die von der EU zugelassen sind. Die Zusatzstoffe lassen sich denn auch in 7 verschiedene Bereiche klassieren:

Da haben wir zum einen die Farbstoffe, damit manche Lebensmittel bunter aussehen, dann gibt es Konservierungsstoffe, Säuerungsmittel, Verdickungs- und Feuchthaltemittel, Geschmacksverstärker und zu guter Letzt auch Süßstoffe.

Und alle diese Stoffe tragen eine E-Nummer, damit man sie besser klassieren kann. Das ist ein Code und das „E“ steht für Europa und jeder Zusatzstoff hat auch ein Zulassungsverfahren durchlaufen.

Machen Zusatzstoffe auch krank?

Alle Zusatzstoffe haben ein Zulassungsverfahren durchlaufen und die meisten Zusatzstoffe gelten als unbedenklich. Aber es gibt natürlich auch welche, die entweder Einfluss haben können auf die Verdauung, die problematisch sein können für Stoffwechselerkrankungen und auch welche, die Allergien auslösen können.

Fakt ist jedenfalls: Viele Risiken sind noch gar nicht eingehend erforscht. Und gerade bei Kindern und empfindlichen Personen ist Vorsicht geboten.

Welche Zusatzstoffe sollte man meiden?

Da gibt es zum Beispiel Azorfarbstoffe, das sind in der Regel jene E-Nummern von 102 bis 129. Diese Farbstoffe kommen vor allem in Kinderlebensmittel vor und sie stehen im Verdacht, Allergien auszulösen und sogar Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen. Das muss dann aber auch auf der Verpackung drauf geschrieben werden.

Ein anderer Zusatzstoff, der problematisch ist, ist zum Beispiel Phosphatsalz. Das ist ein Konservierungsstoff, der häufig in Schmelzkäse, Cola und Wurstwaren vorkommt. Dieser Stoff steht im Verdacht, Blutgefäße und Knochen zu schädigen.

Und ein anderer Stoff ist Glutamat, ein  bekannter Geschmacksverstärker, der auch als bedenklich gilt und das berühmte China-Restaurant-Syndrom auslösen kann. Dieser Stoff findet sich vor allem in vielen Fertiggerichten, Tütensuppen und Kartoffelchips.

Zusatzstoffe in Bio-Lebensmitteln

Auch Bio-Lebensmittel sind nicht ganz frei von Zusatzstoffen, allerdings sind die hier sehr stark begrenzt. So dürfen beispielsweise keine Farbstoffe, Süßstoffe oder wie eben schon genannt Geschmacksverstärker verwendet werden. Wenn man das jetzt in Zahlen ausdrücken würde, so sind für Bio-Lebensmittel nur 50 Zusatzstoffe zugelassen. Das ist gerade mal ein Siebtel von den herkömmlichen Zusatzstoffen.

Zusatzstoffe nicht immer schlecht

Das gute ist ja auch – und das gilt vor allem für Allergiker -, dass seit 2005 Zutaten gekennzeichnet werden müssen, die häufig Allergien auslösen – zumindest auf verpackten Lebensmitteln, wie zum Beispiel glutenhaltiges Getreide, Erdnüsse oder Milcheiweiß.

Ganz vermeiden lässt sich der Verzehr vorn Zusatzstoffen aber kaum – ganz einfach, weil sie in vielen Produkten enthalten und nicht immer erkennbar sind. Aber klar ist auch, die Lebensmittelindustrie setzt Zusatzstoffe ein, um den Umsatz zu fördern und Kunden an sich zu binden. Das muss man so klar und deutlich sagen.

Da geht es auch um verbilligte Produktion, Lagerung und Transport, z.B. Konservierungsstoffe in Fertigsalaten oder um das Volumen zu vergrößern, wie beispielsweise ein erhöhter Backmittelanteil beim Brot.

Was kann der Verbraucher tun?

Das ist relativ einfach: Fertigprodukte meiden, manche Hersteller verzichten nämlich bewusst auf Zusatzstoffe, wie zum Beispiel der Lebensmittelhersteller „Frosta“. Auf knallbunte Süßigkeiten verzichten, Lebensmittel frisch zubereiten, selber kochen.Vor allem ganz wichtig: Die Zutatenliste aufmerksam lesen. Lebensmittel mit endlosen Zutatenlisten einfach stehen lassen.

Weitere Infos erhalten Sie bei der Verbraucherschutzzentrale unter vsz.be oder beim Patienten Rat&Treff patientenrat.be

Infos: Bernd Lorch, Verbraucherschutzzentrale, Foto: BELGA

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2 Kommentare
  1. johanna Reichl

    Warum müssen Zusatzstoffe in Wein nicht gekennzeichnet werden?

  2. Renate Ducomble

    Sehr geehrte Frau Reichl,

    hier die Antwort unseres Experten Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien: Wein ist laut EU-Gesetzgebung kein Lebensmittel, sondern ein Genussmittel. Deshalb darf es auch ohne die Kennzeichnung von Zusatzstoffen und technischen Hilfsmitteln auskommen.
    Gesetzlich vorgeschrieben sind etwa Angaben wie der Hinweis «enthält Sulfite» oder «enthält Schwefeldioxid». Auch Sachbezeichnungen wie «kontrollierte Ursprungszeichnung», der Alkoholgehalt und die Mengendeklaration sind zwingend erforderlich. Was auf dem Etikett zu stehen hat, legt die Europäische Kommission fest.

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