Jazztime: Die bislang besten CDs des Jahres

Die neuen Alben der Altmeister Henri Texier, Wadada Leo Smith und Anthony Braxton haben uns überzeugt. Die Veröffentlichungen der Newcomer Bastian Stein, Uli Kempendorff, Andreas Loven und Charles Rumback haben uns positiv überrascht.

Wadada Leo Smith und Vijay Iyer (Foto: John Rogers/ECM Records)

Wadada Leo Smith und Vijay Iyer (Foto: John Rogers/ECM Records)

Audiobeitrag

Jazztime von Freitag, dem 29. April 2016

Der 70-jährige Bassist Henri Texier hat einen Live-Mitschnitt seines aktuellen Quartetts herausgebracht und damit die richtige Entscheidung getroffen. In langen Stücken von bis zu 13 Minuten können sich die wichtigen Aspekte seiner Musik (Melodie und Melancholie) am besten entfalten. Sein Sohn Sébastien Texier hat sich zu einem hervorragenden Altsaxophonisten, aber auch Klarinettisten entwickelt.

Von meditativen Klängen lebt auch das Duo-Projekt von Wadada Leo Smith und Pianist Vijay Iyer. Hier treffen zwei Generationen von US-amerikanischen Jazz-Avantgardisten aufeinander. Herzstück der CD ist ein längere Suite, die viel Raum für Improvisationen lässt. Definitiv eine Platte für die Jahresbilanz.

Der 33-jährige Trompeter Bastian Stein steht zwar erst am Anfang seiner Karriere, strahlt aber auf seinem Album „Viktor“ allerdings schon eine ungewöhnliche Reife aus. Melodiebetont, aber dennoch komplex sind seine Kompositions- und Spielweisen. Mit Johannes Enders hat er den richtigen Partner für sein Quartett gefunden.

Mit den richtigen Sidemen weiß sich auch Tenorsaxophonist Uli Kempendorff zu umgeben. Seine Gruppe „Field“ beschäftigt mit Ronny Graupe, Jonas Westergaard und Oliver Steidle die derzeit interessantesten Musiker der Berliner Szene. „Field“ lässt die Avantgarde wieder swingen. Jedes Stück auf „Heal the Rich“ überrascht mit unerwarteten Tempowechseln und immer wieder neuen Rhythmen.

Eine weitere positive Überraschung kommt aus Norwegen. Der Pianist Andreas Loven pendelt zwischen Oslo und Kapstadt, und hat mit drei südafrikanischen Musikern die CD „District Six“ vorgelegt. Der Titel bezieht sich auf das berühmt-berüchtigte Township in Kapstadt, das vor 50 Jahren vom Apartheid-Regime zerstört wurde. Das gemeinsame Musizieren von Afrikanern, Asiaten und Europäern wurde damals verboten. Andreas Loven versucht die Magie dieser musikalischen Zusammenarbeit wiederzubeleben.

Der Schlagzeuger Charles Rumback ist in Europa noch relativ unbekannt. Aber zwei seiner Mitstreiter gehören zum Besten, was Chicago momentan zu bieten hat: Der Gitarrist Jeff Parker und der Klarinettist Jason Stein. Die CD heißt „In the New Year“ und ist auf dem Indie-Label Ears and Eyes erschienen.

Aus Chicago kommt auch die letzte neue CD dieser Jazztime. Natürlich lebt Anthony Braxton schon lange nicht mehr in Chicago, aber er selbst bezieht sich immer wieder auf seine Studentenzeit beim AACM, der örtlichen Musikerkooperative aus den 60er Jahren. Von Anthony Braxton hat das Schweizer Label Hat Hut eine wichtige Aufnahme aus den 90er Jahren wiederveröffentlicht. Ein Live-Mitschnitt des Pianoquartetts mit Marilyn Crispell. Für viele die beste Band, die Braxton je hatte. Aus der Doppel-Langspielplatte sind zwei separate CDs geworden. „Santa Cruz 1993 – First Set“ und „Second Set“.

Folgende CDs stellt die Jazztime vor:
Henri Texier: Live at Theater Gütersloh (Intuiton)
Wadada Leo Smith & Vijay Iyer: A Cosmic Rhythm with each Stroke (ECM)
Bastian Stein: Viktor (Pirouet)
Field: Heal the Rich (Why Play Jazz)
Andreas Loven: District Six (Losen Records)
Charles Rumback: In the New Year (Ears & Eyes)
Anthony Braxton Quartett: Santa Cruz 1993 Second Set (Hat Hut)

Ô Elvin
(H.Texier)
Henri Texier
Sébastien Texier
François Corneloup
Louis Moutin
Intchr

Marian Anderson
(W.L.Smith)
Wadada Leo Smith
Vijay Iyer
ECM

Traces
(B.Stein)
Bastian Stein
Johannes Enders
Phil Donkin
James Maddren
Pirouet

3 Halbe
(U.Kempendorff)
Field
– Uli Kempendorff
– Ronny Graupe
– Jonas Westergaard
– Oliver Steidle
WhyPlayJazz

Good News
(A.Loven)
Andreas Loven
Romy Brauteset
Buddy Wells
Clement Benny
Losen Records

Tough Love
(A.Hill)
Charles Rumback
Caroline Davis
Jeff Parker
Jason Stein
John Tate
Ear&Eyes Rec.

Comp. 172
(A.Braxton)
Antony Braxton Quartet
– Anthony Braxton
– Marilyn Crispell
– Mark Dresser
– Gerry Hemingway
Ology

Werner Barth - Foto: John Rogers/ECM Records

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Ein Kommentar
  1. Matthew Golombisky

    This is a wonderful playlist! And thank you so much for the support! ears&eyes Records

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