Jazztime: Anne Mette Iversen und Ingrid Laubrock

Werner Barth präsentiert zwei typische Jazz-Karrieren im Zeitalter der Globalisierung. Iversen und Laubrock haben gleichzeitig Bands in Europa und den USA. Beide sind auch in ihren Heimatländern Dänemark und Deutschland noch aktiv.

Anne Mette Iversen

Anne Mette Iversen

Round Trip und Ternion Quartett

Kontrabassistin Anne Mette Iversen zog zunächst nach New York, wo sie 2002 ihr erstes Quintett zusammenstellte. Inzwischen ist sie nach Berlin umgezogen, doch ihre amerikanische Band hat sie nicht aufgegeben. Ihre Weggefährten John Ellis und Otis Brown III, Anfang der 2000er Jahre noch bekannt, gehören heute zu den Shooting Stars der Brooklyn-Szene. Die neue CD des Anne Mette Iversen Quintett heißt „Round Trip“.

In Berlin, wo sie seit 2012 wohnt, hat Anne Mette Iversen sich auch wieder wichtige Protagonisten der dortigen Szene für ein Bandprojekt ausgesucht. Die Altsaxophonistin Silke Eberhard gehört zu ihrem Ternion Quartett. Silke Eberhard, die von der amerikanischen Zeitschrift Down Beat zum „Rising Star“ gewählt wurde, zum größten Talent auf dem Altsaxophon.

Der Posaunist ist Geoffroy De Masure, bestens bekannt in Belgien als Gast von Aka Moon oder Octurn. Er lebt heute in Berlin, wo er Professor am Jazz Institut ist. „Diese Gruppe war nur in Berlin möglich“, sagt die Bandleaderin. „In Berlin fließen derzeit alle neue Strömungen im Jazz zusammen“. Die erste CD heißt wie die Gruppe: „Ternion Quartett“.

Planktonic Finales

Breit aufgestellt ist auch Ingrid Laubrock, ein anderes Beispiel dafür, wie Jazzkarrieren heute gestrickt sind. Oder besser gesagt: gestrickt sein müssen. Manchmal erinnern Jazzmusiker heutzutage an die vielen Arbeitnehmer, die drei Jobs brauchen, um zu überleben.

Die Deutsche Ingrid Laubrock zog nach dem Abitur in den 1990er Jahren zunächst nach London, bevor sie sich 2008 in New York niedergelassen hat. Ihre neue CD trägt den Titel „Planktonic Finales“. Hier treffen sich Vertreter von drei Welten: Mainstream-Jazz (Stephan Crumb), Neue komponierte Musik (Corey Smythe) und Frei improvisierte Musik (Ingrid Laubrock) aufeinander.

Mit einem Trio fing die internationale Karriere von Ingrid Laubrock auch an: 2008 mit der CD „Sleepthief“. Die Begleiter waren der Pianist Liam Noble und der Schlagzeuger Tom Rainey. Nach längerer Pause wird dieses Trio im April noch einmal in London auftreten, auf einem Festival des Schweizer Labels INTAKT.

Princess

Die Sendung schließt mit einer Neuvorstellung: Die CD „Princess“ des Trios von Stephan Oliva (Klavier), Susanne Abbuehl (Gesang) und Oyvind Hegg-Lunde (Schlagzeug und Perkussion). Das Album beginnt mit 4 Kompositionen von Jimmy Guiffre. Es folgen Stücke von Don Cherry, Keith Jarrett und sogar „What a wonderful world“ von Bob Thiele, unsterblich seit der Interpretation von Louis Armstrong. Trotzdem ist dies kein Best Of- oder Standards Album. Es kommt daher wie eine leise Hommage an 100 Jahre Jazz.

Hoffentlich erwarten uns in diesem Jahr noch viele solcher Alben.

Audiobeitrag

Jazztime von Freitag, dem 7. April 2017

Round Trip
(Anne Mette Iversen)
Anne Mette Iversen
BJURECORDS

Lines & Circles
(Anne Mette Iversen)
Anne Mette Iversen
BJURECORDS

Escapade #7
(Anne Mette Iversen)
Anne Mette Iversen
BJURECORDS

A Cygnet’s Eunoia
(Anne Mette Iversen)
Anne Mette Iversen
BJURECORDS

With Eyes Peeled
(Stephan Crumb/Ingrid Laubrock)
Stephan Crumb/Ingrid Laubrock
INTAKT RECORDS

Tones for Climbing Plants
(Stephan Crumb/Ingrid Laubrock)
Stephan Crumb/Ingrid Laubrock
INTAKT RECORDS

Zugunruhe
(Ingrid Laubrock/Liam Noble/Tom Rainey)
Ingrid Laubrock with Liam Noble & Tom Rainey
INTAKT RECORDS

The Listening
(Jimmy Giuffre/Susanne Abbuehl)
Stephan Oliva / Susanne Abbuehl / Oyvind Hegg-Lunde
VISION FUGITIVE

Princess
(Jimmy Giuffre/Susanne Abbuehl)
Stephan Oliva / Susanne Abbuehl / Oyvind Hegg-Lunde
VISION FUGITIVE

Werner Barth - Foto: Red Cat Jazz

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