Chansons, Lieder und Folk: Roger Matura interpretiert Klassiker auf überraschend neue Art

"Roter Mohn" – so heißt das neueste Album des Gelsenkirchener Urgesteins Roger Matura, der im Laufe seiner langen Karriere einen eigenen Resonanzraum für verschiedene Arten eines Rock-Chanson Noir geschaffen hat. Sein bereits drittes Album in nur einem Jahr enthält ausschließlich Cover-Versionen von Schubert bis Lennon, und sie sind das Ergebnis eines Kräfte zehrenden Prozesses.

Album Roter Mohn von Roger Matura (Bild: Ozellamusic)

Album Roter Mohn von Roger Matura (Bild: Ozellamusic)

Als Roger Matura zufällig „Holocene“ von Bon Iver hörte, wusste er mit einem Mal, dass er in diese musikalische Welt vordringen will. Und zwar aus sich selbst heraus, nicht mit einem „zugekauften“ Produzenten. Auf Euphorie folgte Ernüchterung: Matura musste sich mit der erforderlichen Studiotechnik vertraut machen – es begann eine zwei Jahre lange Phase „Haar zerraufender, Nerven zersplitternder, hin und wieder völlig frustrierender Produktionsarbeit“; ein Erfolg war nie gewiss.

Doch nun ist’s geschafft: Lennons „Jealous Guy“ wurde bei ihm zu einer fragil pulsierenden Ambient-Ballade, Franz Schubert blüht in einem entrückten Trip-Hop mit knurrendem Analog-Bass neu auf. Roger Matura singt mit brüchiger Stimme, spielt Flügel, E-Piano, alle Gitarren, Keyboards und er hat Orchestrierung und Drum- & Sound-Programmierung übernommen. Ihm zur Seite stand Armin Dahm an Keyboards, E-Piano, Bass und bei der Produktion der elektronischen Sounds.

„Roter Mohn“ ist radikal, aber sanft – ein beeindruckendes künstlerisches Statement von einem Musiker, der schon seit 42 Jahren den Bruchstellen, Narben und auch den Heilsamkeiten von Liedern auf den Grund geht, eigenen wie fremden.

Außerdem in der Sendung: Neues von Trio Farfarello, Micke Bjorklof, Helaine Vis, Anna Gréta und Billy Bragg. Dazu: Songs und Geschichten rund um den internationalen Einhorntag, den Weltvegantag, Stereo Total und Herman Hupfeld, dem es gelang, aus einem Lied über die Vergänglichkeit eine Ballade für die Ewigkeit zu machen: „As Time Goes By.“

Markus Will