Klick sicher: Telegram als Alternative zu WhatsApp?

Verwirrungen um die neuen Nutzungsbedingungen von WhatsApp. Das Unternehmen hatte angekündigt, man würde mehr Daten mit Facebook teilen. Jetzt verzeichnete Telegram innerhalb von drei Tagen 25 Millionen Neuregistrierungen.

Telegram-Logo © Bildagentur PantherMedia / FoxysGraphic

Telegram-Logo © Bildagentur PantherMedia / FoxysGraphic

Doch was macht Telegram als WhatsApp-Alternative für die Nutzer attraktiv? Der Nachrichtendienst Telegram wurde 2013 durch die beiden Russen Pavel Durov und seinem Bruder Nikolai gegründet.

Datenschutz

Der größte Vorteil ist, dass Telegram von keinem großen Internetriesen abhängig ist und eigenen Angaben zufolge die Daten seiner Nutzer nicht weitergibt. Das musste auch die russische Regierung erfahren, denn Telegram weigerte sich 2018, dem russischen Geheimdienst FSB einen Schlüssel zu übergeben, der es ermöglichen würde, Chats mitzulesen. Dies gelang der russischen Regierung anscheinend bis heute nicht. Bei den Entwicklern von Telegram handelt es sich um sogenannte „digitale Nomaden“, welche ihre Aufgaben an verschiedenen Orten in der Welt wahrnehmen. Der Hauptsitz von Telegram ist in London. In den Datenschutzerklärungen ist zu lesen, dass die Daten der Nutzer nicht zu Werbezwecken verwendet werden. Man weiß aber aus der Vergangenheit, dass die Datenschutzerklärungen kurzerhand geändert und wenig aussagende Texte einfügt werden können.

Die Nachteile

Beim Umstieg auf Telegram ist Einiges zu beachten. Entgegen der Chats von WhatsApp sind jene von Telegram nicht automatisch Ende‐zu‐Ende verschlüsselt. Dies bedeutet, dass die Inhalte im Klartext über das Internet gesandt werden. Diese Verschlüsselung ist aber wichtig, damit ausschließlich der Absender und der Empfänger die Nachricht lesen können.
Möchte man eine Ende‐zu‐Ende Verschlüsselung für seine Kommunikation nutzen, so muss man den „geheimen Chat“ aktivieren, diese Funktion ist versteckt. Man geht dazu auf das Profil des Freundes und tippt rechts auf das Symbol mit den drei Punkten. Es erscheint ein neues Fenster, wo man die Option „geheimen Chat starten“ aktiveren kann. Dabei werden die Chats nicht auf dem Server von Telegram gespeichert, sondern gehen direkt zum Empfänger. Geheime Chats erkennt man an dem grünen Symbol eines Vorhängeschlosses. Ein Selbstzerstörungstimer der Nachricht vervollständigt die Funktion.

Privatsphäreneinstellungen

Ein Blick in die Privatsphäreneinstellungen ist dringend anzuraten, denn dort kann man einstellen,
⦁ wer meine Telefonnummer sehen kann
⦁ wer sehen kann, wann ich zuletzt auf Telegram gesehen wurde
⦁ wer mein Profilbild sehen kann
⦁ wer mich anrufen kann
⦁ wer mich zu einer Gruppe hinzufügen kann

In der gleichen Rubrik findet man den Punkt „Daten und Speicher“. Dort kann man festlegen, welche Daten wie gespeichert werden.

Auch illegale Inhalte sichtbar

Leider tummeln sich auch viele Kriminelle und Hacker auf Telegram, eine Gruppe solcher mit Hilfe eines Suchbegriffs zu finden ist (leider) kinderleicht. So finden auch Kinder und Jugendliche ohne Mühe illegale Inhalte. Telegram unternimmt anscheinend keinerlei Anstrengungen, um diese illegalen Inhalte zu löschen.

Standorterkennung

Möglich macht dies die Funktion „Leute in der Nähe finden“. Sie könnte durch Cyberkriminelle missbraucht werden, man muss aber dazu sagen, dass diese Funktion auf beiden Seiten freigeschaltet sein muss. Wer dies nicht möchte, sollte den Standort nicht freigeben.

Fragwürdige Finanzierung?

Man muss sich aber die Frage stellen, wie sich das Projekt ohne Werbung finanziert und wie die Programmierer trotzdem über die Runden kommen, wenn sie keine Daten der Nutzer weiterverkaufen, so wie das bei anderen Unternehmen der Fall ist. Schließlich müssen die Mitarbeiter bezahlt und die Server unterhalten werden.

Infos: Danny Loos, RCCU