Sind Bio-Lebensmittel wirklich gesünder?

Forscher streiten darüber, ob Bio gesünder ist als konventionell hergestellte Lebensmittel. Tatsache ist, Bio hat auf jeden Fall Vorteile, wenn man einmal vom Preis absieht.

Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien

Ob Obst, Milchprodukte, Brot oder Fleisch: In nahezu jedem Supermarkt findet man inzwischen eine große Auswahl an Bio-Produkten, auch in Discountern. Viele Verbraucher stellen sich immer wieder die gleiche Frage: Sind Bio-Produkte wirklich besser als konventionell hergestellte Waren?

Studien ergeben weniger Pestizidrückstände

Unter Wissenschaftlern besteht da absolut keine Einigkeit, denn seit Jahrzehnten läuft eine Debatte darüber, ob biologischer Anbau besser ist als der konventionelle. Da gibt’s auf der einen Seite eine Studie von österreichischen Wissenschaftlern aus dem Jahre 2003, die handfeste Beweise aufbringen, dass Bio-Produkte eindeutig besser sind.

Und auf der anderen Seite konnte in einer groß angelegten Studie der US-amerikanischen Universität Stanford nicht festgestellt werden, dass biologisch angebaute Lebensmittel mehr Nährstoffe enthalten als konventionelle. Nun gibt es auch neue Forschungsergebnisse, die den Streit jedoch noch lange nicht beenden. Ein internationales Forscherteam hat dafür 343 Publikationen aus Fachzeitschriften ausgewertet und die kommen zu dem Ergebnis, dass es schon deutliche Unterschiede gibt bei gewissen Inhaltstoffen.

Worüber sich die Wissenschaftler einig sind, ist die Tatsache, dass Bio-Lebensmittel weniger Pestizide enthalten, was ja schon eine ganz wichtige Sache ist. In der letzten Studie, die 2014 in einer britischen Publikation für Ernährung veröffentlicht worden ist, haben die Forscher festgestellt, dass Bio-Lebensmittel mehr wertvolle Antioxidantien enthalten und – ganz wichtig – nur halb so viel Cadmium. Cadmium ist ein Schwermetall und für den Menschen besonders giftig. Und generell sollen Antioxidantien eine gesundheitsfördernde Wirkung haben. So sollen sie bspw. Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und womöglich sogar vor Krebs schützen.

Was aber in meinen Augen jedoch besonders wichtig ist, ist die Tatsache, dass auch in dieser Meta-Analyse vom vergangenem Jahr, viermal weniger Pestizidrückstände bei Bio-Lebensmittel vorgefunden wurden als bei konventionellen.Das ist natürlich auf die unterschiedlichen Praktiken beim Anbau zurückzuführen. Denn beim ökologischen Landbau muss größtenteils auf chemische Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger verzichtet werden.

Wer kontrolliert?

In Europa ist es so, dass jeder Bio-Erzeuger mindestens einmal jährlich Besuch von einem unabhängigen Kontrolleur bekommt. In Belgien ist das beispielsweise Certisys oder Ecocert. Die kommen dann ein bis viermal pro Jahr, auch unangemeldet auf den Hof oder ins Unternehmen. Genau überprüft wird dabei das Umfeld und die verschiedenen Produktionsvorgänge.

Betriebe, die Discounter beliefern, werden genauso kontrolliert wie andere Betriebe, oft sogar noch strenger: Discounter schicken mitunter eigene Kontrolleure auf die Höfe, denn die Sorge ist groß, dass unsaubere Ware in einer einzelnen Filiale die gesamte Kette in Verruf bringen könnte. Noch strengere Kontrollen gibt es vor allem bei Bio-Produzenten, die mit einem privaten Bio-Label wie zum Beispiel dem Demeter-Siegel zertifiziert sind. Denn zusätzlich zu den Vorgaben für das belgische oder deutsche Bio-Siegel müssen auch die zum Teil deutlich strengeren Auflagen der Privat-Labels erfüllt werden.

Wo liegen die Vorteile bei (den teureren) Bio-Lebensmitteln?

Bio-Lebensmittel haben einen eindeutigen Vorteil: Sie sind wie gesagt weniger mit Pestiziden belastet. Allein in der Europäischen Union werden jährlich mindestens 200.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel verwendet, Tendenz steigend. Ein weiteres Argument für Bio-Lebensmittel ist die Tatsache, dass in den meisten Fällen, wenn es um Tiere geht, diese artgerecht gehalten und naturnah gefüttert werden – auch wenn es immer wieder „schwarze Schafe“ gibt. Bei vielen Kunden der Biokost spielt einfach die Wertschätzung des Lebensmittels eine wichtige Rolle, die nicht zu unterschätzen ist.

Mehr Infos auf vsz.be.

Bernd Lorch, Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien

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