Spotify ist in erster Linie ein Musikstreamingdienst. Die Plattform bietet jedoch auch Funktionen, die eine direkte Kontaktaufnahme zwischen Nutzern ermöglichen.
Dazu gehören öffentliche Profile mit Benutzernamen, eine Suchfunktion, individuell gestaltbare Playlists mit Titelbildern sowie eine Nachrichtenfunktion. Wer sein Profil öffentlich sichtbar macht, kann über den Benutzernamen gefunden und direkt angeschrieben werden.
Nach Angaben von Heinrichs nutzen Täter diese Möglichkeiten gezielt. Sie suchen unter anderem nach Profilen mit Hinweisen wie "IFB" oder "I Follow Back". Diese Abkürzung bedeutet, dass jemand allen Nutzern zurückfolgt, die dem eigenen Profil folgen. Auch Profil- oder Coverbilder können dazu dienen, junge Nutzer als mögliche Kontaktpersonen auszuwählen.
Der erste Kontakt erfolgt häufig über ein unverfängliches Thema. Der gemeinsame Musikgeschmack könne dabei als Gesprächseinstieg dienen, um herauszufinden, ob ein Nutzer auf Nachrichten reagiert.
Sichtbarkeit und Nachrichtenfunktion einschränken
Um das Risiko einer Kontaktaufnahme zu verringern, empfiehlt das Medienzentrum, das eigene Spotify-Profil nicht öffentlich sichtbar zu machen. Außerdem sollte die Nachrichtenfunktion deaktiviert werden.
Spotify unterscheidet bei diesen Funktionen nicht zwischen minderjährigen und erwachsenen Nutzern. Deshalb ist es wichtig, die entsprechenden Einstellungen selbst vorzunehmen.
Persönliche Informationen nicht preisgeben
Jugendliche sollten außerdem keine Fotos von sich selbst als Coverbild verwenden. Ebenso sollte auf Angaben wie "IFB" oder "I Follow Back" verzichtet werden.
Auch persönliche Kontaktdaten wie die Handy- oder WhatsApp-Nummer sollten nicht veröffentlicht werden. Darüber hinaus rät Heinrichs davon ab, auf Spotify persönliche oder emotionale Probleme öffentlich anzusprechen. Hinweise darauf, dass Musik beispielsweise bei depressiven Phasen helfe oder es einem gerade schlecht gehe, könnten ebenfalls von Personen mit schlechten Absichten ausgenutzt werden.
Eltern sollten Einstellungen gemeinsam überprüfen
Eltern können ihre Kinder unterstützen, indem sie gemeinsam das Spotify-Profil und die Privatsphäre-Einstellungen durchgehen. Heinrichs betont, dass es dabei nicht darum gehe, die Nutzung der Plattform zu verbieten oder den Spaß daran zu nehmen.
Vielmehr sollten Eltern erklären, warum bestimmte Funktionen besser deaktiviert werden und welche Folgen es haben kann, wenn persönliche Informationen öffentlich zugänglich sind. Nach ihren Erfahrungen möchten viele Kinder vor allem alle Funktionen einer Plattform nutzen und seien sich möglicher Risiken nicht bewusst.
Im Ernstfall nicht allein bleiben
Kommt es zu einer Kontaktaufnahme oder wurden bereits persönliche Informationen weitergegeben, sollten Betroffene nicht allein bleiben. Cyber-Grooming sei grundsätzlich strafbar, unabhängig davon, ob es später zu weiteren Handlungen komme.
Betroffene sollten sich deshalb an die lokale Polizei wenden. Dort gibt es auch Angebote für den Opferbeistand.
Wer sich nicht unmittelbar an die Polizei wenden möchte oder sich damit überfordert fühlt, sollte sich an eine erwachsene Vertrauensperson wenden. Das können die Eltern sein, aber auch Lehrer, andere Verwandte, Mitarbeiter von Kaleido an den Schulen oder die Jugendinfo. Entscheidend ist, mit den Sorgen nicht allein zu bleiben.
Olivier Krickel