Chansons, Lieder und Folk: Sarah Leschs Kosmos – Me too im Liederparadies

Erst die Anklage, dann die ausgestreckte Hand. Wer Sarah Lesch unterstellt, sie würde Männer hassen und zum Kampf blasen, hört ihr nicht zu.

Sarah Lesch (Bild: Christin Goy)

Sarah Lesch (Bild: Christin Goy)

Und das ist das Problem: Ignoranz, Nicht-Verstehen-Wollen, Arroganz. Und weil sich so nichts ändert, singt Sarah Lesch Klartext: „Es sind auch solche ‚Nicht alle Männer‘-Männer / Solche Männer, wie ganz genau du / Und vielleicht wirst du dich jetzt empören / Weil du glaubst, du seist längst Feminist / Dann denk an mich beim nächsten Kneipenwitz und steh auf wenn du Mensch genug bist!“

Sarah erklärt, hilft zu verstehen und streckt sogar die Hand aus: „Wir brauchen euch an unsrer Seite / Und dass ihr euch mit uns empört / Dass ihr aufsteht, auch wenn ihr bequem sitzt / Und euch an der Schieflage stört.“ Es sind diese Gesten des Dialogs, der Klarheit, des Nicht-Aufgebens, dass doch noch die Einsicht siegt bei denen, die bisher ausblenden, dass Sexismus und Diskriminierung von Frauen real sind – und zu hundert Prozent falsch. Eine Botschaft sendet sie – und alle, die sich ihr anschließen – aber noch mit aus: Frauen werden nicht mehr leise werden, bis die Verhältnisse im Lot sind. Im Gegenteil, es wird lauter werden.

Bei aller Warnung darf man aber auch feststellen: Sarah Lesch ist eine wunderbare Musikerin mit großem Gefühl für kleine bedeutungsvolle Lyrik, und sie pflegt einen eleganten Ton in einem Reigen voller gekonnt arrangierter Stile zwischen Ballade, Folk, Country und Jazz-Swing. Triggerempfehlung!

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Markus Will