Chansons, Lieder und Folk: Der Schatz aus Cornwall – Gwenno und ihr psychedelischer „Tresor“

Gwenno Saunders’ drittes Soloalbum ist in St. Ives entstanden, in Cornwall, und deshalb fast vollständig in der dortigen Sprache gesungen, in Kornisch. Obwohl Gwenno es noch vor den Lockdowns geschrieben hat, nimmt es einen introspektiven Fokus auf Heimat und Selbst – ein fast prophetisches Werk, das die Isolation und den Rückzug widerspiegelt, die zur globalen Erfahrung wurden.

Gwenno aus Cornwall, Wales (Bild: Claire Marie Bailey)

Gwenno aus Cornwall, Wales (Bild: Claire Marie Bailey)

„Tresor“ beleuchtet aber auch die Sorgen ihrer Heimat. Die Vorstellungen von einer zeitlosen und verwunschenen Landschaft kollidieren dabei mit der Realität der großen Armut und einer durch die Anforderungen des Tourismus zerstörten Wirtschaft. Schon mit ihrem Vorgängeralbum „Le Kov“ ist Gwenno etwas Unglaubliches gelungen: Es war so erfolgreich, dass es der kornischen Sprache eine nie dagewesene Plattform gab.

Ob auf Tourneen in Europa und Australien, im Vorprogramm von Suede und den Manic Street Preachers oder bei der US-Late-Night-Show „Later with Jools Holland“ – nach „Le Kov“ erreichte das Interesse an der kornischen Sprache einen Höchststand, und die kulturelle Rolle der Sprache rückte in den Mittelpunkt des Interesses.

Doch Kornisch ist nicht nur ein kulturelles Erbe oder ein politisches Projekt. Es ist die Sprache, in der Gwenno denkt und träumt, eine Sprache der Liebe und der Sehnsucht. An dieser privaten Welt teilhaben zu können ist das Geschenk von „Tresor“.

Außerdem:

  •  30. Todestag von Astor Piazzolla
  • Zweimal 80 Jahre: Gilberto Gil und Fredrik Vahle feiern – und musizieren fröhlich weiter
  • Neuheiten von Jochen Distelmeyer, AHI, Sofia Lainovic, Jon Flemming Olson, Alexandra Janzen, Charly Klauser

Markus Will