Chansons, Lieder und Folk: „The Bible“ von Lambchop – Testamente der Veränderung

"I’m going to be 64, dude. What the fuck am I doing?" Kurt Wagner nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um klare Analysen geht. Fast dreißig Jahre existiert nun schon seine Band Lambchop, sein Projekt, seine immervage Idee eines Sounds, der mit seinem Ursprung Nashville nur noch im Entferntesten etwas zu tun hat. Aber eben dort fest verwurzelt ist.

Der Schöpfer von Lambchop: Kurt Wagner (Bild: Mickie Winters)

Der Schöpfer von Lambchop: Kurt Wagner (Bild: Mickie Winters)

„The Bible“ stellt die Frage, ob Spiritualität etwas mit Religiosität zu haben muss. Und wischt dabei Glaubensgrundsätze beiseite, Songs einer Nashville-Band müssten etwas mit Gitarren, mit tradierten Akkorden, überhaupt mit Instrumenten zu tun haben.

Kurt Wagner entschwindet mit Lambchop auf dem neuen Album in einen außerweltlichen Kosmos seltsamer Töne, Störgeräusche und zersplitterter wie gleitender elektronischer Klangflächen, so dass man sich als Hörer ernsthaft fragt: What the fuck is he doing? Und doch ist es ein Kunstwerk voller Wärme, Trost und Optimismus. Mit 64 ist eben noch lange nicht Schluss. Manches fängt dann erst an.

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Markus Will