Chansons, Lieder und Folk: Zuhause ist, wo das Cello spielt – „Where is Home“ von Abel Selaocoe

„He ke Kae“, das ist Sesotho für „Wo ist Zuhause“. Der südafrikanische Cellist Abel Selaocoe (gesprochen: sea-low-cha) hat bewusst kein Fragezeichen hinter den Titel seines Debütalbums gesetzt. Denn die Antwort kennt er bereits und vermittelt sie dem Publikum auf erstaunliche Weise.

Abel Selaocoe

Folklore seiner afrikanischen Heimat steht gleichberechtigt neben Barock-Werken von Johann Sebastian Bach und dem selten gespielten Giovanni Benedetto Platti. Bei Abel Selaocoe klingen die beiden Welten nicht mal einander fremd.

Auf „Where is Home (Hae ke Kae)“ geht es um die Idee, Zuflucht zu suchen – nicht im stigmatisierten Sinne des Wortes einer Flucht, sondern als ein Ort, der uns erdet und Kraft gibt, als universelles menschliches Bedürfnis. Es kann ein spiritueller Ort sein, es können Menschen sein, es kann Einsamkeit sein oder eine Routine. Oder etwas, das man auf Reisen findet. In all diesen Situationen hat Abel Selacoe verschiedene Heimaten durch sein Cello gefunden. So zieht sich der ihm eigene Pulsschlag durch alle Kompositionen, die fast 400 Jahre auseinander liegen. „Where is Home (Hae ke Kae)“ ist ein Lehrstück gegen den Klassik-Zentrismus westlicher Kultur, denn es offenbart mehr Gemeinsamkeit als Trennendes – ganz im Sinne von Abel Selaocoes Idee.

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Markus Will