Steve Poltz ist schwer zu fassen. Seit Jahrzehnten bewegt sich der heute 65-Jährige als Songwriter durch die amerikanische Musiklandschaft, hat früh einen Welthit mitgeschrieben (“You Were Meant for Me” von Jewel, 1996) und sich danach konsequent dem Kommerz entzogen. Der Mann aus Halifax mit Homebase in Nashville tourt unablässig, schreibt unterwegs, denkt laut und stolpert in Songs hinein. In Aufnahmestudios kann man ihn nur mit Tricks locken.
"JoyRide“ ist das Resultat einer solchen Trickserei ("Ist nur für einen Song! …“). Das Album wirkt wie in Bewegung aufgenommen: Ideen prallen aufeinander, Humor kippt ins Absurde, Beobachtungen werden zu Liedern, bevor sie sich setzen können. Poltz schreibt über Regen-Geruch (Petrichor), das erste Bier mit der neuen Leber, Tätowierungen mit fataler Halbwertszeit, religiöse Figuren und historische Abwege. Die Texte folgen keiner Logik außer seiner eigenen – wodurch sie eine schrullige Wirkung entfalten.
Musikalisch ist "JoyRide“ beste Songwriter-Kunst, sie entsteht jedoch weniger aus den Arrangements als aus Poltz’ geschultem Erzähltrieb. Gastmusiker aus dem Umfeld von Jim Lauderdale, Emmylou Harris oder Leftover Salmon tauchen auf, ohne den Fluss zu bremsen. Das Album klingt wie ein offenes Mikrofon für Gedanken, Einfälle und schiefen Witz – zehn Songs, die nicht ankommen wollen, sondern vorbeifahren.
"JoyRide“ von Steve Poltz ist erschienen am 30. Januar 2026 auf Red House Records.
Außerdem in dieser Sendung
- Folk-, Bluegrass-, Country- und Americana-Gewinner:innen der 68. Grammy-Verleihung
- US-Folk-Newcomer Mon Rovîa präsentiert sein Debütalbum live in Köln (4. Februar 2026)
- Kim Moberg: Zarter Rhythm & Blues der Nauset-&-Wampanoag-Nation-Songwriterin ("All That Really Matters“, Kim Moberg)
- James Walsh: Introspektives siebtes Soloalbum des Starsailor-Frontmanns ("It’s All Happening“, James Walsh)
- Ailbhe Reddy: Queeres Indie-Folk-Statement aus Dublin ("Kiss Big“, Don Giovanni Records)
- Reverend Stomp: Staubiger Surf-Roots-Rock aus dem Vorarlbeg ("Mescalero Ranger“, Las Vegas Records)
Maaru Will