Chansons, Lieder und Folk: Iron & Wine lässt Hühnern Zähne wachsen

Samuel Beam alias Iron & Wine präsentiert ein Geschwisteralbum zu "Light Verse" von 2024: "Hen's Teeth" klingt erdiger, dunkler, spontaner. Mit dabei: Tochter Arden und das Super-Folk-Trio I’m With Her.

„Samuel Beam alias Iron & Wine (Bild: Kim Black)“
„Samuel Beam alias Iron & Wine (Bild: Kim Black)“

Nach "Beast Epic" (2017) waren sieben Jahre vergangen, ehe der bei Austin, Texas lebende Singer-Songwriter wieder ein reguläres Studioalbum veröffentlichte: "Light Verse". Bei den damaligen Sessions in Laurel Canyon hatten er und seine Musiker David Garza, Sebastian Steinberg, Tyler Chester und Griffin Goldsmith jedoch so gut vorgelegt, dass gleich ein zweites Album mitentstanden ist – auch wenn die "überschüssigen“ Songs ohne weitere Absichten erstmal nur aussortiert wurden. Doch die Songs hatten ihre Kraft – und schon so viel Eigenleben, dass Iron & Wine sie zu einem weiteren Album fortentwickelt hat: "Hen's Teeth" ist die dunklere Seite jener Sessions – quasi der Schatten zu "Light Verse".

Mit Songs wie "Dates and Dead People", "Singing Saw" oder "Roses" drehen sich große Teile des Albums um Liebende, die körperlich verschmelzen. Den Titel des Albums hingegen beschreibt Beam als Symbol für das Unmögliche – "ein Geschenk, das nicht sein sollte". Die Songs blühen durch Einflüsse auf, die Beam seit Jahren faszinieren: Tropicalia-Rhythmen ("Defiance, Ohio"), Doc-Boggs-Bluegrass mit Simon-&-Garfunkel-Harmonien ("Singing Saw") und apokalyptische Folk-Rock-Enden („Roses"). Paul Cartwrights Streicher und Mandoline verleihen dem Ganzen jazzige Freiheit, während Beams Tochter Arden (23, selbst Musikerin) erstmals Harmonien beisteuert, womit sich ein Kreis schließt: ihr Geburtsjahr fällt mit "The Creek Drank the Cradle" (2002) zusammen – dem Debütalbum von Iron & Wine.

Und dann gibt es noch drei hochdekorierte Gästinnen: I’m With Her – Sarah Jarosz, Aoife O’Donovan und Sara Watkins – gerade erst mit dem International Folk Award als Artist of the Year gekürt. Sie bestechen auf "Wait Up" und "Robin’s Egg" mit besonderer Energie, denn: Duette sind inhärent dramatisch und ein großer Spaß, findet Beam. Das Album wirkt in seiner Gesamtheit wie ein Skizzenbuch nach einer langen kreativen Trockenperiode – frei, experimentell, ohne fertig sein zu wollen. Mit seinem holzigen, robusten Klang zwischen Beams bekanntem ätherischen Flirren und Flüstern reiht sich "Hen’s Teeth“ in die Reihe von Iron & Wines besten Alben ein.

"Hen’s Teeth“ von Iron & Wine ist erschienen am 27. Februar 2026 auf Sub Pop.

Außerdem in dieser Sendung

  • Bill Callahan: Achtes Album des lakonischen Lo-Fi-Alt-Country-Granden mit klangreichen Meditationen aus dem Wohnzimmer ("My Days of 58“, Drag City)
  • Ben Sollee: Der Cello-Poet aus Kentucky formt die Lieblingssongs seiner Fans zu 70er-Country-Soul um ("Time On Hold“, sonaBLAST!)
  • Will Dailey: Quirliges Americana-Album aus Boston mit Gast-Star Juliana Hatfield ("Boys Talking“, Wheelkick Records)
  • Ão: Portugiesisch-spanischsprachiger Stil-Hybrid aus Belgien ­– zwischen Charango-Folk und Electronica ("Malandra“, Mayway Records)
  • Caspar Auwerkerken: Album-Debüt des Wald-Folk-Philosophen aus Hasselt ("Figuring Out My Horizons“, V2 Records)
  • Neuheiten von Pina Palau und Michael Moravek

Maaru Will

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