Chansons, Lieder und Folk: Bonnie ‘Prince’ Billys Manifest der Gemeinschaft

33 Jahre, 23 Solo-Alben, kein Stillstand: Will Oldham kehrt als Bonnie ‘Prince’ Billy nach Louisville zurück, an die Quelle seines Schaffens – und liefert mit "We Are Together Again" ein stilles, beharrliches Meisterwerk.

"Will Oldham alias Bonnie ‘Prince’ Billy (Bild: Urban Wyatt)“
"Will Oldham alias Bonnie ‘Prince’ Billy (Bild: Urban Wyatt)“

Will Oldham ist einer der produktivsten und eigenwilligsten Songwriter Amerikas – und einer der am schwersten einzuordnenden. Seit seinem Debüt 1993 unter dem Namen Palace Brothers hat er sich durch ein Dutzend Pseudonyme und über zwanzig Alben gearbeitet, zählt man Duette und Kollaborationen mit, sind es über dreißig, immer zwischen Folk, Country und Appalachian Music, immer mit einem Ton, der sich nicht festnageln lässt. "We Are Together Again" ist sein sechzehntes Solo-Album als Bonnie ‘Prince’ Billy – und markiert seine Heimkehr an den Ort, an dem sein Debüt vor über drei Jahrzehnten entstanden ist, Louisville, Kentucky, der Stadt, die ihn geformt hat und in deren Musikszene er verwurzelt geblieben ist, auch wenn ihn sein Werk längst weit über sie hinausgetragen hat.

Die Albumbesetzung spiegelt diese Verwurzelung wider: Catherine Irwin von Freakwater, eine Schlüsselfigur der Louisville-Szene, die schon auf "Ease Down the Road" (2001) mitgesungen hat, ist zurück. Die drei Sängerinnen der Band Duchess – Lacey Guthrie, Tory Fisher, Katie Peabody – eröffnen und schließen das Album mit dem, was Oldham "parallele Oden an die Angst“ nennt. Dazu Jacob Duncan an Flöte und Saxofon, Thomas Deakin an Klarinette, Akkordeon und Kornett – ein Klang, der weit in die Vergangenheit greift. Doch museal klingt hier nichts.

Was "We Are Together Again" zusammenhält, ist eine Idee, die derzeit kaum größere Resonanz haben könnte: dass Freundschaft und Gemeinschaft keine sentimentalen Restposten sind, sondern eine Form von Widerstand. Nicht laut, nicht programmatisch – sondern in den konkreten Gesten des Zusammenspielens, Zusammensingens, Zusammenseins. Ganz besonders sticht "Life is Scary Horses" hervor, eine Weiterentwicklung von Oldhams Cover des Mekons-Songs "Horses" aus dem Jahr 2003 – mit Sally Timms von den Mekons selbst.

"We Are Together Again" von Bonnie ‘Prince’ Billy ist erschienen am 6. März 2026 bei Domino Recording.

Außerdem in dieser Sendung

  • Big Richard: Neoklassischer Bluegrass-Feminismus mit viel Energie und wenig Geduld ("Pet", Signature Sounds)
  • Seamus Fogarty: Irischer Folker mit Elektronik und Field Recordings ("Ships", Lost Map Records)
  • Scout Gillett: Americana-Katharsis nach harten Jahren ("Tough Touch", Slouch Records)
  • Pat Kelly: Sardonischer Folk eines Underdog aus Pittsburgh ("Hook", Glamour Gowns)
  • Katy Pinke & Will Graefe: Neun Folk-Covers, aufgenommen an einem Tag – von Frank Ocean bis SZA ("Patterns", Glamour Gowns)
  • Daniel Blumberg & Amanda Seyfried: Soundtrack mit radikal bearbeiteten Shaker-Hymnen ("The Testament of Ann Lee", Mute)
  • Buck Meek: Big-Thief-Gitarrist mit Soloalbum zwischen Americana und modularem Synthesizer-Spiel ("The Mirror", 4AD)

Maaru Will

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