Chansons, Lieder und Folk: Son Little im Dunst von Muscle Shoals

In Alabama, wo die wildesten Soul-Aufnahmen der späten Sechziger entstanden sind, hat Aaron Livingston sein bisher persönlichstes Album aufgenommen – über Herkunft, Familie und eine Musik, die viele Genres umarmt.

Aaron Livingston alias Son Little (Bild: Kendrick Brinson)
Aaron Livingston alias Son Little (Bild: Kendrick Brinson)

Son Little – bürgerlich Aaron Livingston, aufgewachsen in Philadelphia, heute nahe Atlanta zu Hause – hat für "Cityfolk" eine Reise angetreten, die mehr war als ein Studiobesuch: Im Januar 2025 ist er nach Muscle Shoals, Alabama gefahren, in die Stadt, aus der die ungezähmtesten Soul- und R&B-Aufnahmen der späten Sechziger kamen. Dort hat er Ben Tanner getroffen, Keyboarder der Alabama Shakes und Grammy-Gewinner, der auch für Foy Vance und St. Paul & The Broken Bones produziert hat. Was die beiden in Tanners Heimstudio erarbeitet haben, begann als Demo-Skizzen mit Sprachaufnahmen – und wuchs über Drum-Machine-Beats, Live-Sessions und Jam-Improvisationen zu einem Album, das Livingston selbst als Entschlüsselung seiner eigenen Herkunft beschreibt: Die mütterliche Seite seiner Familie hatte er lange nicht erforscht. In Muscle Shoals fügte sich alles zusammen.

"Cityfolk" ist ein Werk der stilistischen Gleichzeitigkeit von Gospel, Hip-Hop, Folk, Blues, R&B – trotzdem folgt es einer singulären Ästhetik. Die Musikindustrie, sagt Livingston, habe ihn immer in die Roots-Schublade gesteckt. "Aber meine Musik hatte schon immer Anklänge an Country, Rock und Folk sowie Hip-Hop und R&B." Muscle Shoals, das trotz seiner schwierigen Geschichte ein Symbol für das ist, was möglich wird, wenn Barrieren fallen, war der richtige Ort, um sich aus fremden Deutungen zu befreien.

"Cityfolk" von Son Little ist erschienen am 20. März 2026 bei Anti-.

Außerdem in dieser Sendung

  • Christophe Maé: Der Chansonsänger lässt seine Jugend auf den Ferias des Südens wieder aufleben ("Fête foraine", Parlophone)
  • Lisa Bassenge: Viertes Trio-Album mit Jacob Karlzon und Andreas Lang und Songs von The Cure, Elliott Smith, Glen Campbell – als Jazz-Chansons ("Two Whole Summers, Half A Life", Herzog Records)
  • Spencer Thomas: Ex-Futurebirds-Keyboarder mit sardonischem Retro-Americana-Album ("Cynical Vision", Strolling Bones Records)
  • Aubrie Sellers: Nashville-Tochter mit Shoegaze-Country und Radiohead-Ästhetik ("Attachment Theory", Carnival Records)
  • 160. Geburtstag der Londoner Music-Hall-Legende Harry Champion
  • Peet: Brüsseler Rapper und Sänger mit melodiösem vierten Album über Trauer und Dankbarkeit ("Joyboy", Baco Records)

+ Neuheiten von Neil Diamond, Willie Nelson, Kaya, Noah Kahan und Joe Jackson

Maaru Will

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