Michael Moravek, einer der poetischsten Americana-Schreiber Deutschlands, hatte Georg Elsers Geschichte ursprünglich nur für die Bühne erschlossen: Gemeinsam mit dem Konstanzer Schauspieler und Regisseur Bernd Wengert hat er ein Theaterstück über den Schreiner aus Heidenheim geschrieben, der 1939 allein, ohne Mitwisser, eine Bombe im Münchner Bürgerbräukeller konstruiert hat, um Adolf Hitler zu töten. Der Anschlag scheiterte – Hitler hatte seine Rede 13 Minuten früher als geplant beendet und den Saal verlassen. Elser wurde gefasst, gefoltert und am 9. April 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, in Dachau ermordet.
Für das Theaterstück schrieb Moravek erstmals auf Deutsch – eine Herausforderung für jemanden, der seit seiner Jugend ausschließlich englische Songs geschrieben hat. Die deutsche Sprache war für ihn keine stilistische Entscheidung, sondern eine inhaltliche Notwendigkeit: Elsers Geschichte, tief verwurzelt in der deutschen Geschichte, verlangte nach ihrer eigenen Sprache. Nach zwei Jahren auf der Bühne hat Moravek die Songs nun als Album veröffentlicht, ergänzt um drei neue Stücke.
"Georg" ist sein erstes deutschsprachiges Album. Zehn Songs und ein Zither-Instrumental, mit seiner Band Electric Traveling Show eingespielt, die Folk, Jazz und Theaterlied zu einem Sound verbinden, der Dringlichkeit erzeugt ohne Pathos zu bemühen. Die Texte sind von düsterer Präzision: In "Und brechen die Finger" entlarvt Moravek die Banalität des Bösen, in "Ich hab' dich geträumt, Elsa Härlen" verdichtet er Elsers letzten Gang zur Hinrichtung in eine erschütternde Vision. Laut der Georg-Elser-Gedenkstätte in Königsbronn ist Moravek der erste Songwriter weltweit, der Elser ein vollständiges musikalisches Werk gewidmet hat.
"Georg" von Michael Moravek & Electric Traveling Show ist erschienen am 9. April 2026 bei TYXart.
Außerdem in dieser Sendung
Joseph Arthur: Erster Teil seiner Trilogie über Zusammenbruch und Neubeginn ("You're Not a Ghost Anymore: Faith", Lonely Astronaut)
Sierra Hull: Siebenfache Mandolinenspielerin des Jahres mit Bluegrass-Suite zwischen Tradition und moderner Kammermusik ("The Movements“, Sierra Hull)
Joe Jackson: Alte New-Wave-Schärfe, Jazz-Eleganz, englische Tristesse und reihenweise ausverkaufte Konzerte ("Hope and Fury", Earmusic)
Maria Taylor: Neues Soloalbum des Azure-Ray-Mitglieds mit Indie-Folk und sanftem Pop ("Story's End", Million Stars)
Steve Gunn: New Yorker Gitarrist mit atmnosphärischer EP ("Shape of a Wave", No Quarter Records)
Ber: Debütalbum zwischen Alt-Pop und Americana von Berit Dybing aus Minnesota ("Good Like It Should Be", Nettwerk)
Charley Crockett: Texanischer Troubadour schließt Sagebrush Trilogy ab – produziert von Shooter Jennings ("Age of the Ram", Island Records)
Common Holly: Montréalerin Brigitte Naggar mit EP über Projektionen auf Mädchen ("They will draw halos around our heads", Keeled Scales)
Grand Duché: Handgefertigte Chansons des Brüsseler Alternative-Wizzard Sacha Toorop ("Angles vivantes“, Grand Duché)
Neuheiten von Camille Camille und Sarah Julia
Maaru Will