Chansons, Lieder und Folk: Jesca Hoop und die Frage: Was verbindet uns noch?

Jahrelang hat die gebürtige Kalifornierin unter Anleitung anderer produziert. Für "Long Wave Home" ist sie allein in einen Campervan gestiegen und durch England gefahren – das Ergebnis ist ein Album der Autonomie und Selbstermächtigung.

Jesca Hoop (Bild: Aga Mortlock)
Jesca Hoop (Bild: Aga Mortlock)

Nur weil man Angst davor hat, neue Wege zu gehen, bedeutet das nicht, erst losgehen zu können, wenn die Angst weg ist. Die Songwriterin aus Manchester, die einst als Kindermädchen bei Tom Waits arbeitete und von ihm auf die Bühne komplimentiert wurde, hat sich erneut ein Herz gefasst und sich ins Unbekannte gestürzt, diesmal ohne Zuspruch von außen. Nicht nur hat sie zum ersten Mal ihr Album selbst produziert, sondern auch alle vertrauten Produktionswege verlassen. Mit einem Campervan, einem vollen Kopf und einem leeren Aufnahmekalender ging’s los auf eine Aufnahmereise durch England: von London über die Isle of Wight und Bristol bis nach Manchester. Schlafen unter Viadukten, schwimmen im Meer, jeden Morgen ein neues Studio. Keine zweite Stimme, die korrigiert, keine feste Basis, dazu die allmähliche Erkenntnis, dass Distanz – zu sich selbst, zu anderen, zu allgegenwärtiger Technik – der eigentliche Stoff dieses Albums ist.

In jedem Studio, das sie besuchte, fand sie neue Mitstreiter: Schlagzeuger Sebastian Rochford, Bassist Jon Thorne, Multi-Instrumentalist Sam Amidon. Jede Session war eine Entdeckung, jeder Musiker hat den Songs eine eigene Farbe gegeben. Die Themen der Songs sind unbequem: verlorene Beziehungen, die Entfremdung durch Technologie, die Frage, was uns noch wirklich verbindet. „Long Wave Home" ist ein Stück über das Gefühl, das wir laut Hoop alle teilen – eine wachsende Distanz zu uns selbst und zueinander.

"Long Wave Home" von Jesca Hoop ist erschienen am 1. Mai 2026 bei Last Laugh.

Außerdem in dieser Sendung:

Tori Amos: 18. Studioalbum – Musik in Zeiten von Tyrannei und patriarchaler Blindwütigkeit ("In Times of Dragons", Fontana Records)

Souled American: Alt-Country-Pioniere nach dreißig Jahren zurück – langsam, dunkel, zeitlos ("Sanctions", Jealous Butcher Records)

Hiss Golden Messenger: M.C. Taylor mit neuem Album zwischen Americana, Folk und unbeirrter Hoffnung ("I'm People", Chrysalis Records)

Vassil Svechtarov: Puppenspieler, Seemann, Meisterklasse-Liedermacher ("von Liebe, Tod und anderen Tabus“, Sturetz)

Keimzeit: 14. Album mit milder Menschenliebe und schrägem Humor ("Ach, die Menschen", Comic Helden)

The Montvales: Zwei Musikerinnern aus Ohio mit politischem Indie-Country ("Path of Totality", Free Dirt Records)

The Burnett Sisters Band: Bluegrass-Debüt dreier appalachischer Geschwister ("Easy Come, Easy Go", Pinecastle Records)

Marc Broussard: Bayou-Soul aus Louisiana – mit Joe Bonamassa und Trombone Shorty ("Chance Worth Taking", Keeping The Blues Alive Records)

Tanya Donelly & Chris Brokaw: Throwing-Muses- und Come-Veteranen entdecken mittelalterliche Musik auf Latein ("The Undone Is Done Again", Fire Records)

Maaru Will

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