Chansons, Lieder und Folk: Bella White – Liebeskummer und -sehnsucht im Shotgun House

Mit "A Sign in the Weather" blickt die kanadische Songwriterin Bella White auf die Risse und Neuanfänge des Lebens. Das unpolierte, in der Abgeschiedenheit von Louisiana eingespielte Indie-Roots-Werk bricht mit den Konventionen der modernen Americana-Szene.

Maaru Will
Maaru Will (Bild: Thierry Cornely/BRF)

Ihr drittes Studioalbum markiert eine Zäsur für die 26-jährige Kanadierin. White verlässt die museale, rein akustische Bluegrass-Sicherheit ihrer Anfangstage und taucht in einen dunkleren, ungeschminkten Singer-Songwriter-Folk ab, der auf elektrische Vintage-Instrumentierung setzt. Sie nutzt die ländliche Melodik der Appalachen als Gerüst, um Themen wie Isolation, Reue und die Realität gescheiterter Beziehungen zu verhandeln.

Das Album unterstreicht diesen musikalischen Wandel mit atmosphärischer Vielschichtigkeit. Das Eröffnungsstück "Trouble" führt den Hörer noch als nackte Folk-Ballade mit schepperndem Schlepp-Beat in die melancholische Grundstimmung des Werks. Im Kontrast dazu entfaltet das Stück "False Start" durch die flirrenden Akzente der Pedal-Steel-Gitarre eine weite, fast schwebende Energie, die den trotzigen, unnachgiebigen Umgang mit dem eigenen Herzschmerz spiegelt. In den filigranen Harmonien von "Dream Song" oder dem federnden "All My Friends" wird deutlich, warum diese offenherzigen Tagebuch-Notizen zu den bemerkenswerteren Independent-Veröffentlichungen des Jahres gehören.

"A Sign in the Weather" von Bella White ist erschienen am 5. Juni 2026 auf Rounder Records.

Außerdem in dieser Sendung:

  • bvba Vandamme: Belgisch-westflämischer Folk aus Roeselare besingt das Leben nach Ebbe und nach Flut ("Waterlanders", bvba Vandamme)
  • John Southworth: Exzentrischer britisch-kanadischer Songwriter kleidet düstere europäische Mythen in Tin-Pan-Alley-Klavier-Vignetten ("Rain from the East", Sud de Valeur)
  • Ruth Garbus: Analoge Vintage-Sounds und minimalistisch stille Eigenartigkeiten aus der Hippie-Hochburg Battleboro ("Profound", Orindal Records)
  • Zoh Amba: Die gefeierte Free-Jazz-Saxofonistin überrascht mit Kurswechsel zu rüdem akustischen Singer-Songwriter-Flow ("Eyes Full", Matador Records)

    + Neuheiten von Lambchop, Death Cab for Cutie und Heather Nova

Maaru Will

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht! Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren

Restl. Anzahl Wörter: 150