Das erste Album der 26-jährigen Kalifornierin dokumentiert eine vierjährige emotionale Reise, auf der sie extreme Familienerfahrungen verarbeitet hat. Satya begann das Songwriting Anfang 2020, um eine von Missbrauch, aber auch tiefer familiärer Zuneigung geprägte Kindheit in der San Francisco Bay zu reflektieren. Der Albumtitel "Yellow House" benennt ihr früheres Zuhause in Oakland. Um das Erlebte greifbar zu machen, fixierte sie sich beim Schreiben auf visuelle Erinnerungen: die Zitronenbäume im Garten, die Holzböden und das Gefühl, schutzlos ausgeliefert zu sein. Inspiriert von der kompromisslosen, lyrischen Ehrlichkeit einer Cleo Sol, weigert sie sich, die traumatischen Erfahrungen für die Hörer schönzufärben.
Die Ambivalenz eines trotzdem auch liebevoll erinnerten Zuhauses übersetzt sie in ein Klangbild, das auf den Perfektionismus moderner Pop-Produktionen verzichtet. Die Aufnahmen entstanden im Heimstudio des renommierten Blues-Gitarristen Colin Linden in Nashville. Linden setzte auf ein rein analoges Prinzip: Kontrabass, Live-Drums und sparsame Orgel-Akzente wurden zeitgleich in einem Raum eingespielt, was den Songs das unpolierte Moment einer Live-Session verleiht. Auf diesem hölzern warmen Fundament entfaltet sich eine beschwichtigende Stimme, die den schweren Inhalten eine unheimliche Ruhe gibt. Neben eindringlichen Eigenkompositionen sticht vor allem eine radikal reduzierte Coverversion des Grateful-Dead-Klassikers "Box of Rain" hervor - eine Hommage an ihren Großvater. Satyas Debüt verhandelt Schmerz, ohne die Hoffnung auf Heilung zu verlieren, und bricht dabei mit den Konventionen des modernen Americana mit seiner funktionalen Glattheit.
"Yellow House" von Satya ist erschienen am 5. Juni bei Satya Hawler (Hawley) (via Giant Music).
Außerdem in dieser Sendung
- Rodney Crowell: Wiederentdeckt und neu eingespielt - zwanzig Jahre altes und nie veröffentlichtes Americana-Werk über das Älterwerden und die eigene Spiritualität ("Then Again", New West Records)
- Max Wareham: Psychedelischer Bluegrass-Minimalismus aus der geheimnisvollen Tiefe eines hundert Jahre alten Kohlesilos ("If The Cosmos Were Whiskey…", Max Wareham)
- Zaggie: Verspieltes Nashville-Akustik-Duo über das Thema Freundschaft in all seinen chaotischen Facetten ("Turpentine Mind", Zaggie Records)
+ Neuheiten von Farin Urlaub, Annett Louisan, Floatist, Doppelfinger, Nouvelle Vague, Grace Cummings, Abbie Callahan und The String Cheese Incident
Maaru Will