Forum: Ruhrtriennale mit neuem Coulibaly-Stück

Im November kommt der Choreograph Serge Aimé Coulibaly mit seinem neuen Stück nach Belgien. Es heißt "Kirina" und war nach der Premiere in Marseille auf der Ruhrtriennale zu sehen. Das Festival im ehemaligen deutschen Kohlenpott wurde in diesem Jahr von einer unnötigen Antisemitismus-Debatte überschattet.

Rokia Traoré

Rokia Traoré (Archivbild: Nic Bothma/EPA)

Der 46-jährige Tänzer und Regisseur aus Burkina-Faso Serge Aimé Coulibaly präsentiert in „Kirina“ seine Interpretation des Buches „Afrotopia“ des Senegalesen Felwine Sarr. Es geht um afrikanische Visionen in Zeiten der europäischen Flüchtlingskrise, um die Aufgabe der Afrikaner sich eine eigene Zukunft aufzubauen. Auf der Bühne sind alle Tänzer ständig in Bewegung, auf der Flucht, aber es wird auch gefeiert und sogar geheiratet.

Das Ganze wird getragen von der Musik von Rokia Traoré aus Mali, die schon ihren Weg von der traditionellen Folklore zur aktuellen Pop-Musik zurückgelegt hat. Die Welt der erfolgreichen Rokia Traoré aus Bamako ist das Ziel. Sie lebt heute in Europa, ohne sich von Afrika losgesagt zu haben. Ihre Musik treibt die Tänzer voran, unter denen auch Europäer mitmachen. Choreograph Coulibaly sucht die Amateurtänzer am jeweiligen Aufführungsort aus, nimmt sie mit auf die Suche nach Afrotopia. „Kirina“ wird noch in diesem Jahr in Mons und Brüssel, aber auch im flämischen Landesteil, in Brügge und Gent zu sehen sein.

So aktuell die Fragestellung dieses Tanztheaterstücks war, so überholt fiel die Diskussion über angeblichen Antisemitismus oder die Freiheit der Kunst aus. Die neue Intendantin Stefanie Carp wollte ursprünglich die Hip-Hop-Band Young Fathers auf dem Festival präsentieren. Als sich herausstellte, dass die Rapper die Bewegung BDS unterstützen, wurde die Gruppe wieder ausgeladen. BDS ist gegen die israelische Besatzungspolitik und fordert einen Waffen-Boykott und Sanktionen gegen den Staat Israel.

Es kam zu einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion während des Festivals mit u.a. Bundes- und Regionalministern über die Frage, welche Fragen die Kunst stellen darf und welche Grenzen es dabei geben sollte. Bei der Podiumsdiskussion versuchten Befürworter und Gegner des Auftritts der Young Fathers sich gegenseitig niederzubrüllen. Es war leider kein Höhepunkt für ein Festival wie die Ruhrtriennale, die eigentlich offen mit den Problemen der Zeit umgehen möchte.

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Werner Barth