Forum: Goldener Bär für Shakespeare-Film

Eines der Aushängerschilder der diesjährigen Berliner Filmfestspiele, das Regiedebüt von Schauspielerin Angelina Jolie, ist am Donnerstag bei der Premiere in Serbien erwartungsgemäß durchgefallen.

Serbische Medien beklagten die ihrer Meinung nach einseitige Darstellung des Bürgerkriegs in Bosnien, der Gegenstand des Jolie-Films „The Land of Blood and Honey“ ist.

Die Berlinale hätte sich – ganz in der Tradition des Festivals – eine politische Auseinandersetzung über diesen Wettbewerbsbeitrag sicherlich gewünscht. Doch der politische Film bewegt zur Zeit nicht mehr viel, weder beim Publikum noch bei den Jurys.

Die Jury vergab den goldenen Bären an die Italiener Paolo und Vittorio Taviani für „Cäsar muss sterben“, ein Film über eine Shakespeare-Inszenierung in einem römischen Gefängnis.

Dieser Preis dokumentiert gleich zwei Trends:  Erstens werden immer mehr Literaturvorlagen verfilmt. Das Autorenkino ist in der Krise, weil zweitens immer mehr Dokumentarfilme von Regisseuren dieser Sparte vorgelegt werden.

Denn auch „Cäsar muss sterben“ ist eigentlich ein Dokumentarfilm. Zwar mit gekonnten Regie-Einfällen und clever inszeniert, aber halt doch eine Dokumentation ohne eigene Story. Die Story stammt von Shakespeare und ist 400 Jahre alt.

Ähnlich wie die Brüder Taviani hat sich beispielsweise auch Werner Herzog auf Dokumentarfilme verlegt. Von ihm lief „Death Row“ auf der Berlinale, Filmportraits von Todeskandidaten in US-Gefängnissen.

Der künstlerisch wertvollste deutsche Film des letzten Jahres war „Pina“, ein Dokumentarfilm von Wim Wenders. Wer noch Filme wie „Der Himmel über Berlin“ oder „Aguirre, der Zorn Gottes“ in Erinnerung hat, muss feststellen, dass Wenders und Herzog heute nicht mehr viel zu sagen haben.

Die nachfolgende Generation in Deutschland, beispielsweise durch Christian Petzold und Hans-Christian Schmid vertreten, präsentierte klassische Familiendramen ohne Höhepunkte. Petzolds Film „Barbara“ passte gut in die aktuelle „DDR-Nostalgie-Welle“, konnte aber der Aufarbeitung dieser Zeit vor 1989 nichts hinzufügen.

Wegen der schwachen Regisseure beeindruckten vor allem starke Schauspielerleistungen die Berlinale 2012: Merylin Streep als Maggie Thatcher und Isabelle Huppert als entführte Entwicklungshelferin im philippinischen Dschungel. Der Film „Captive“ von Brillante Mendoza kommt Ende März in die belgischen Kinos.

Weitere Themen im Kulturmagazin am 26. Februar:

  • „Glück“ sowie „Extrem laut und unheimlich nah“: Die unterschiedlichen Literaturverfilmungen von Stephen Daldry und Doris Dörrie
  • Christoph Schlingensiefs Operndorf in Afrika: 80 Künstler spenden Werke für die Finanzierung
  • Versuch der Wiedergutmachung: Zum ersten Mal stellt mit dem WIELS in Brüssel ein belgisches Museum die bislang vergessene Kölner Künsterlin Rosmarie Trockel aus

dpa/wb - Bild: Johannes Eisele (afp)