Jazztime: Moers-Festival 2019 fast ganz ohne Jazz

Das Sun Ra Arkestra war noch mal zu Gast in Moers, aber konnte die Zeit nicht zurückdrehen. Folklore aus Sao Paulo und Belgrad sowie Rockmusik aus Frankreich und Tokio waren am Pfingstwochenende angesagt.

Scatter The Atoms That Remain (Bild: André Symann)

Scatter The Atoms That Remain beim Moers-Festival 2019 (Bild: André Symann)

Das Sun Ra Arkestra war 26 Jahre nach dem Tod des Meisters noch einmal in Moers. Die Leitung hat der inzwischen 95-jährige Saxophonist Marshall Allen übernommen. Der Auftritt des Orchesters in diesem Jahr beim Moers Festival 2019 wurde als Event organisiert: Das Konzert ging um Mitternacht in der Stadtkirche über die Bühne. Natürlich ist es legitim, das zunehmend jüngere Publikum in Moers an der Jazzgeschichte teilnehmen zu lassen. Aber ein Vergleich mit alten Aufnahmen des Orchesters muss dann auch erlaubt sein. Und dieser Vergleich kann nur zu Ungunsten der heutigen Formation ausfallen.

Das Festival nennt sich schon lange nicht mehr „New Jazz Festival Moers“, das ist Geschichte. Aber so wenig Jazz wie in diesem Jahr war noch nie. Selbst wenn man Jazz, wie heute üblich, im weitesten Sinne als Improvisationsmusik versteht. Free-Jazz-Schlagzeuger Günther „Baby“ Sommer durfte zwar an einer Podiumsdiskussion mit einer Kulturministerin teilnehmen. Ein Konzert mit einer eigenen Band durfte Sommer nicht geben. Peinlich war sein Auftritt an der Seite von Marshall Allen und einem brasilianischen Rapper, der mit seinen infantilen Texten für den Tiefpunkt des Festivals sorgte. Ein perfektes Beispiel für ein Festivalprojekt, das auf dem Papier vielversprechend klingt, auf der Bühne sich aber als unfruchtbar und unnötig herausstellt.

Jazz-Fans kamen noch am ehesten am Samstagabend auf ihre Kosten, als Vibraphonist Christopher Dell ein neues Quartett in der Festivalhalle präsentierte. Das Programm basierte auf der CD „Das Arbeitende Konzert“ mit Christian Lillinger (Schlagzeung,) Jonas Westergaard (Bass) und Johannes Brecht (Electronics). Das Quartett DLWB ließ mit seiner energetischen Musik den Geist von Anthony Braxton noch einmal über der Bühne schweben.

Carefree
(SunRa)
Sun Ra & His Omniverse Arkestra
ENJA

Lady Bird / Half Nelson
(T.Dameron/M.Davis)
Sun Ra Arkestra
OLOGY

Revision I – VII Formblock 5a
(C.Dell)
Christopher Dell

ENW
Revision VI-VII Modular Form 04
(C.Dell)
Christopher Dell
ENW

Psychedelic Judgeman
(A.Tsuyama)
Psyche Bugyo
MAGAIMONO

The sleeping and the dead
(M.Ducret)
Marc Ducret
ILLUSIONS

Come, you
(M.Ducret)
Marc Ducret
ILLUSIONS

That which has made them drunk
(M.Ducret)
Marc Ducret
ILLUSIONS

The thane of fife
(M.Ducret)
Marc Ducret
ILLUSIONS

Weïrd II
(M.Ducret)
Marc Ducret
ILLUSIONS

Inflammable
(M.Ducret)
Stéphan Oliva / Sébastien Boisseau / Tom Rainey
YOLK MUSIC

Table rase
(Y.Loustalot)
Yoann Loustalot / JulieTouéry / Eric Surménian /Laurent Paris
FCM

Werner Barth

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