Jazztime: Neue CDs von heute und gestern

Werner Barth stellt aktuelle Alben aus Europa und den USA vor, darunter auch zwei CDs mit bislang unveröffentlichten Konzertmitschnitten von Stan Getz und Horace Tapscott.

Ron Carter (Bild: Epa/Adam Warzawa)

Ron Carter (Bild: Epa/Adam Warzawa)

Das Label ENJA in München präsentiert die CD „The Hunter“ der Gruppe Skyjack um den südafrikanischen Pianisten Kyle Shepherd. Mit dabei sind die Schweizer Marc Stucki (Tenorsaxophon) und Andreas Tschopp (Posaune). Alle  fünf Bandmitglieder steuern Kompositionen bei. Township-Jazz und Mainstream halten sich die Waage.

Auch beim Quartett „Klangfahrer“ aus Aachen sind alle Bandmitglieder Komponisten. Hier reicht die Spannbreite von Ohrwurm bis Experiment. Auf „Drei setzt die Band ihre Reise durch den zeitgenössischen Jazz fort, die auf den Vorgängeralben „Humanity“ und „Colors of Trance“ angefangen hat.

Traditioneller im Post-Bop verankert zeigt sich das Pariser Trio „YES“ auf der CD „Le Groove du Jour“. Das Album überzeugt durch eine überschäumende Spielfreude auf höchstem technischen Niveau, allen voran Pianist Aaron Goldberg.

Dieses Niveau hält auch das New Yorker Dialect Trio des Bassisten Mario Pavone. Der CD-Titel „Philosophy“ verspricht komplexe Strukturen und ausgeklügelte Kombinationen, die Pianist Matt Mitchell und Schlagzeuger Tyshawn Sorey eindrucksvoll umsetzen.

Der Schweizer Tenorsaxofonist Christoph Irniger hat mit seiner Gruppe Pilgrim das Album „Crosswinds“ vorgelegt. Der Komponist Irniger läßt seinem Quintett viel Freiraum für Improvisationen. Diese Freiheit nutzt der Leader selbst bei seinem Solo im Stück „Point of View“. Kritiker Peter Margasak unterstreicht zu Recht „die lyrische Neigung“ des Quintetts im CD-Booklet.

Die Überraschung kommt von Jazz-Legende Ron Carter. Der 81-jährige Bassist präsentiert ein Album mit Rappern: „Live at the BRIC House – The Brown Beatnik Tomes“. Nur 37 Minuten lang, aber eine interessante CD mit minimalen Mitteln: Spoken Word mit Kontrabass und ab und zu ein paar Takten Klavier, mehr nicht.

Die beiden letzten neuen Alben sind historische Aufnahmen, die bislang noch nie veröffentlicht worden sind. „Getz at the Gate“ ist ein Konzertmitschnitt aus dem New Yorker Klub Village Gate am 26. November 1961. Das Stan Getz Quartett mit Steve Kuhn am Klavier und Roy Haynes am Schlagzeug spielt Klassiker wie „Stella by Starlight“ und „52nd Street Theme“.

Von Horace Tapscott gibt es jetzt einen Live-Mitschnitt aus dem Jahr 1998, also ein Jahr vor seinem Tod. Es ist eine Aufnahme mit seinem Pan Afrikan Peoples Arkestra und dem Chor Great Voice of UGMMA. Diese CD „Why don’t you listen?“ ist eine willkommene Ergänzung zum nur spärlich veröffentlichten Oeuvre des Aktivisten und Musikers aus Los Angeles.

Loueke
(Shepherd)
Skyjack
Enja

Blues for L.M.
(Kistemann)
Klangfahrer
TimeZone

Muhammad‘s Market
(O.Avital)
Yes
Jazz&People

Philosophy
(M.Pavone)
Mario Pavone Trio
Clean Feed

Point of View
(C.Irniger)
Christoph Irniger
Intakt Rec.

Where Do I Begin
(J.Peterson/R.Carter)
Ron Carter
Blue Note

It‘s Alright With Me
(C.Porter)
The Stan Getz Quartet
Verve

Auszug aus „Aiee! The Phantom“
(H.Tapscott)
Horace Tapscott, Pan Afrikan Peoples Arkestra & the Great Voice Of Ugmaa
Darktre Roots Series

Werner Barth

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