Jazztime: Mário Pachecos „Livre“ ist Fado in Hochkultur

Der Fado ist, ähnlich wie der wenige Kilometer östlich herrschende Flamenco, eine Musik der Straßen, der Cafés und Kneipen. Dort wird er gespielt, gesungen, gelebt – eine Alltagskultur. Somit ist es gar nicht so besonders, dass Mário Pacheco, einer der besten Gitarristen des Fado, lange Zeit Herr über ein Fado-Lokal war, dem international bekannten Clube de Fado in der Lissabonner Alfama.

Mário Pachecos: "Livre"

Mário Pachecos: "Livre"

Als die Berufung zum Musikerdasein so drängend war, dass kein Platz mehr für eine Nebenverantwortung blieb, trennte er sich von dem liebevoll geführten und wichtigen Ort und verschrieb sich endgültig der Perfektionierung seiner Fado-Kunst und der Transzendenz zu einer poetischen Daseinsform.

Mit „Livre“ hat er nun eines der herausragendsten Alben des Fado in letzter Zeit geschaffen, sechzehn Jahre nach seinem letzten Langwerk. Mit den Grammy-Preisträgern Javier Limón und Jaques Morelenbaum sowie dem zweifachen Oscar-Gewinner Gustavo Santaolalla („Brokeback Mountain“ und „Babel“) als Produzenten gelingt ihm ein Kunststück, in dem Volksweisen, Lyrik und Jazz zu einer höheren Emotionsform verwachsen.

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Markus Will