Jazztime: „Reflections“ von Alina Bzhezhinska – ukrainische Harfenistin mit hippem London-Jazz

Schon ihr Debüt "Inspiration" begeisterte die Musikwelt, weit über die Grenzen der wilden Jazzszene in London hinaus, wo Alina Bzhezhinska seit etlichen Jahren lebt. Mit ihrem zweiten Album "Reflections" etabliert sie sich und ihr HipHarpCollective als Schwergewicht der einflussreichsten modernen Jazz-Ensembles.

Alina Bzhezhinska (Foto: BBE)

Alina Bzhezhinska (Foto: BBE)

Alina Bzhezhinska ist längst eine der führenden Harfenistinnen der Welt. Vor allem stellt sie die Harfe in den Vordergrund des zeitgenössischen Sounds – als Instrumentalistin, Komponistin, Bandleaderin und Gründerin der digitalen Plattform HipHarpCollective.

Ihr Ruf ist nobel: Sie ist auf Schloss Balmoral zum 80. Geburtstag der Queen aufgetreten und wurde vom thailändischen Königshaus beauftragt, die Musik des verstorbenen Königs Bhumibol Adulyadej zu arrangieren. Und alle Großen des jungen genre-sprengenden Jazz wollen mit ihr spielen, von Kamaal Williams bis Shabaka Hutchings.

Studiert hat sie klassische Harfe an der Chopin-Musikakademie in Warschau. Den Jazz hat sie an der Universität von Arizona studiert. Nach ihrem Umzug nach Großbritannien im Jahr 2002 war Bzhezhinska sieben Jahre lang Harfenlehrerin am Royal Conservatory of Scotland. Mit ihrem Entschluss, eine Jazzkarriere zu starten, zog sie um nach London. Die dortige Szene hat sie seit 2017 im Sturm erobert.

„Reflections“ ist ein Pandemiealbum. Alina Bzhezhinska hat sich erinnert an die Musik, die sie in jüngeren Jahren hörte, an die Töne, Klänge, Stile, sie hat erspürt, was sie damals begleitet hat, wenn sie glücklich oder traurig war. Dabei hat sie erkannt: Das Wichtigste an ihrem musikalischen Schaffen ist die Freiheit des Geistes. „Reflections“ ist ein Spiegel davon.

Außerdem:

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Markus Will