Jazztime: Alben des Jahres - Yazz Ahmed betört alle

Mit "A Paradise in the Hold" legt die britisch-bahrainische Trompeterin ein Album vor, das ihre musikalische Biografie bündelt und vielerlei Einflüsse neu fokussiert - für viele Kritiker weltweit das Album des Jahres 2025.

Yazz Ahmed
Yazz Ahmed (Bild: Yazz Ahmed)

Seit Jahren arbeitet Yazz Ahmed an einem unverwechselbaren Klang, ob alsTrompeterin, Flügelhornistin, Komponistin oder Bandleaderin. Ihre Musik speist sich aus Jazz, elektronischen Texturen und Einflüssen arabischer Musiktraditionen, ohne diese Zutaten auszustellen oder zu erklären. Ahmeds Unterschied zum weit verbreiteten Folk-Habitus ist der Fluss ihres Klangs: lange Formen, erzählerische Bögen, klar gesetzte Farben. Seit dem selbstveröffentlichten Debüt "Finding My Way Home" (2011) hat Ahmed ihre Sprache Schritt für Schritt erweitert - über "La Saboteuse" (2017), "Polyhymnia" (2019) bis hin zu großformatigen Auftragswerken für Orchester, Planetarien und Festivals.

"A Paradise in the Hold" markiert nun eine neue Verdichtung. Erstmals integriert Ahmed ihre eigene Stimme in den Gesamtklang, nicht als Element in erster Reihe, sondern als weiteres Instrument. Texte, Motive und Melodien greifen auf Erzählungen, Bilder und Mythen aus dem bahrainischen Kulturraum zurück, bleiben dabei aber offen genug, um als musikalische Erzählungen zu funktionieren. Das Album arbeitet mit Schichtungen: Bläserlinien, die sich verschieben, Rhythmen, die eher tragen als antreiben;,Elektronik, die Atmosphäre formt, ohne sich in den Vordergrund zu spielen.

Dass dieses Album international so positiv wahrgenommen wurde, hat mit seiner Balance zu tun. "A Paradise in the Hold" ist fern davon, ein programmatisches Statement oder ein stilistisches Experiment um seiner selbst willen zu sein. Es ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, sicher in der Form, klar im Ausdruck und getragen von einer Komponistin, die weiß, was sie erzählen will - und was sie der Musik überlässt. Ein richtungsweisendes Werk für den Jazz im globalen Kontext.

"A Paradise in the Hold" von Yazz Ahmed ist erschienen am 28. Februar 2025 auf Night Time Stories.

Die weiteren Alben des Jahres 2025 (nach internationalen, gewichteten Rezensionen):

2. Mulatu Astatke: "Mulatu Plays Mulatu" - Ethio-Jazz-Klassiker, neu orchestriert (Strut Records)

3. Marshall Allen: "New Dawn" - spätes Solodebüt des 101-jährigen Sun-Ra-Arkestra-Leiters (Week-End Records)

4. Alabaster DePlume: "A Blade Because a Blade Is Whole" - Saxofonlinien mit viel Vibrato und Streichorchester (International Anthem)

5. Emma-Jean Thackray: "Weirdo" - Selfmade Fusion-Pop (Brownswood Recordings)

6. Mary Halvorson: "About Ghosts" - komplex verschobene Ensemblemusik (Nonesuch Records)

7. Makaya McCraven: "Off The Record" - dekonstruiertes Live-Material unter Einfluss von Beat-Forschung (XL Recordings)

8. Natural Information Society & Bitchin Bajas: "Totality" - minimalistische Prozessmusik aus der Chicagoer Szene (Drag City)

9. Nels Cline: "Consentrik Quartet" -  geschlossenes Jazzwerk eines freien Genre-Wanderers (Blue Note)

10. Adrian Younge & Ali Shaheed Muhammad: "Jazz Is Dead 22: Ebo Taylor" - Denkmal für und mit dem König des ghanaischen Highlife (Jazz Is Dead)

11. JJJJJerome Ellis: "Vesper Sparrow" - Stottern als politisch-poetische Kunstform (Shelter Press)

12. Brad Mehldau: "Ride Into The Sun" - Elliott-Smith-Songs als lyrisch erweiterte Jazz-Orchestrierungen (Nonesuch Records)

Maaru Will