Jazztime: Auster Loo im Sog der Verdichtung

Simon Leleux und Lydie Thonnard beschränken sich mit "Make It More“ erstmals auf die Duo-Form: Rein akustisch und live verschweißt ihr Gewirk aus Doholla, Bendir, Flöten und Gesang zu einem karnatischen Jazz, in dem Improvisation und Atem eins sind.

“Simon Leleux und Lydie Thonnard alias Auster Loo (Bild: Isabelle Françaix)”

Nach dem großformatigen Kollektiv-Album "Collective" von 2024 holt das Brüsseler Duo zu einem überraschenden Schlag aus: "Make it More" ist dichter und brennender als alles, was sie bisher gemacht haben. Die neun Stücke, die Auster Loo am 2. Juli 2025 in der ZarlaSwingBoerderie nahe Gerhardsbergen in den Ardennen vor kleinem Publikum furchtlos aufgenommen haben, erinnert in seiner hypnotischen Pulshaftigkeit an karnatische Musik aus Südindien. Leleux bedient Doholla, die arabische Basstrommel, und Bendir, die pulsierenden indischen Percussions; Thonnard spielt Flöten und singt. Gemeinsam erkunden sie, wie man mit wenigen Mitteln unendlich viel Klangraum schafft. Wie kriegt man eine Flöte zum Singen, Percussion zum Orchesterklang? Das ist ihr Spielraum: akustisch, ohne technische Verstärkung, immer zwischen Komposition und spontanem Moment. Nach zwei Jahren Kollektivarbeit spüren sie jetzt den Drang, pur zu sein – und laden den Hörer ein mitzuimprovisieren. Die Musik schwebt durch Zeiten und Räume, evoziert andere Traditionen, ohne sie zu kopieren. Ein überraschender – und wieder einmal großer Wurf von einem der spannendsten belgischen Duos.

"Make It More“ von Auster Loo ist erschienen am 13. Februar 2026 auf Off Records.

Außerdem in dieser Sendung:

  • Zum 100. Geburtstag des Lütticher Tenorsaxofonisten und Flötisten Bobby Jaspar (20. Februar 2026)
  • Tuur Moens: Der belgische Drummer mit Brasilien im Blut wendet sich mit seinem Quintett Fragen des Überlebens zu ("Resilience", Tuur Moens)
  • Barbara Wiernik: Vokaljazz mit weiblicher Energie ("Between Whispers", Right on Time/Igloo)
  • Mobilhome: Brüssler Quintett zwischen Krautrock und Avantjazz ("That Tough Tender", Mokuhi Sonorities)
  • Gonzalo Rubalcaba Trio: Latin-Jazz-Grammy-Gewinner mit Benny-Moré-Klassikern ("A Tribute to Benny Moré and Nat King Cole", Calveiro Entertainment)
  • Alex Beaurain Trio: Belgischer Avantgarde-Kammerjazz mit warmer Heilungsenergie ("Sonĝa", Mognomusic)

Maaru Will

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