"Ambre" ist das erste Album, auf dem Nathan Surquin nicht "nur" Teil eines Ensembles ist, sondern an seiner Spitze steht. Den belgischen Posaunisten kennt man vom Brussels Jazz Orchestra, dem Jazz Orchestra of the Concertgebouw oder Aka Moon – jetzt verdichtet er sich in einem eigenen Quartett, und seine Inspiration könnte kaum inniger sein: "Ambre" ist der Name seiner neugeborenen Tochter, und Surquin versteht die Platte als Sammlung von besonderen Begegnungen – zwischen Vater und Kind, zwischen Kulturen, zwischen vier Musikerpersönlichkeiten.
An seiner Seite spielen der tunesische Pianist Wajdi Riahi, der italienische Bassist Federico Stocchi und der niederländische Schlagzeuger Daniel Jonkers. Gemeinsam entwerfen sie eine Art New European Jazz, der ohne klassischen Swing auskommt, dafür Einflüsse aus Lateinamerika und Nahost aufnimmt und in ruhige, melodisch starke Stücke übersetzt.
Vieles entsteht aus Dialogen: Posaune und Klavier tasten sich aneinander heran, das Schlagzeug übernimmt eher Atem- statt Bewegungsrhythmus. "Ambre" fängt Konversationen zwischen vier Menschen ein, die sich aufmerksam zuhören – ein Debüt, das um Nähe und Austausch kreist und jedwede Virtuosität in den Hintergrund rückt.
"Ambre" von Nathan Surquin ist erschienen am 6. Februar 2026 bei Zennez Records.
Außerdem in dieser Sendung:
- Pat Metheny (1): Gitarrenlegende mit neuem Trio‑Projekt ("Side‑Eye III+", Uniquity Records)
- Pat Metheny (2): 50-jähriges Jubiläum seines Debüts ("Bright Size Life", ECM)
- Bill Frisell: Mit kammermusikalischem Traumsextett in den 75. Geburtstag ("In My Dreams", Blue Note)
- Rêve d’Eléphant Orchestra: Die Brüsseler Brass‑Band-Werkstatt ehrt das immaterielle Kulturerbe des Karnevals von Binche ("Jungle Binche", Collectif du Lion)
- Laurent Doumont: Der Brüsseler Saxofon-Altmeister tritt mit eigenen Stücken aus dem Schatten seiner großen Soul‑Jazz-Patrons ("Meanwhile", Laurent Doumont) — live in Lüttich am 17. Juni 2026
- Gena: Jazz-Phrasierung trifft auf Hip-Hop- und R&B-Producer‑Kultur ("The Pleasure Is Yours", Lex Records)
Maaru Will