Jazztime: Flea würdigt den Jazz, den er als Kind lieben lernte

Bevor er einer der berühmtesten Rock-Bassisten der Welt wurde, hat er Trompete gespielt. Auf "Honora" tut er es wieder – mit einer Traumband aus Jazz-Visionären.

“Flea (Bild: Gus Van Sant)”
“Flea (Bild: Gus Van Sant)”

Michael Peter Balzary, der Welt bekannt als Flea, Bassist und Mitbegründer der Red Hot Chili Peppers, hat als Kind Trompete gelernt, in Los Angeles in Jugendorchestern gespielt, lange bevor er den Bass entdeckte. Auf "Honora", seinem heute erschienenen ersten Soloalbum, kehrt er zu diesem ersten Instrument zurück, ohne den Bass beiseite zu stellen, singt selbst und hat sich dazu eine Band versammelt, mit der er zeigen kann, wo seine musikalischen Wurzeln wirklich liegen. Gewidmet ist das Album seiner irischen Ur-Urgroßmutter.

Flea, der 2001 das Silverlake Conservatory of Music für benachteiligte Kinder gegründet hat und als Mitgründer von Atoms for Peace schon früh die Grenzen zwischen Rock und Experiment verwischt hat, tritt hier völlig aus dem Schatten der Red Hot Chili Peppers heraus – nicht als Rockstar, sondern als Musiker, der seine eigene Geschichte teilt. Neben avantgardistisch durchwirkten Würfen wie die Single "Traffic Lights" (mit Thom Yorke, aus der gemeinsamen Band Atoms for Peace) und fünf weiteren Eigenkompositionen verneigt sich "Honora" in vier Interpretationen vor einem bunten Repertoire, das zeigt, wofür Fleas Herz alles schlägt: Funkadelics "Maggot Brain", Jimmy Webbs "Wichita Lineman" (mit Nick Cave als Sänger), Frank Oceans "Thinkin Bout You" und Ann Ronells Standard "Willow Weep for Me".

Die Band besteht im Kern aus Musikern, die im Jazz und in der Avantgarde verwurzelt sind: Saxofonist und Produzent Josh Johnson, Gitarrist Jeff Parker, Bassistin Anna Butterss und Schlagzeuger Deantoni Parks. Flea hat zwei Jahre lang täglich Trompete geübt – mitten in Stadiontouren – und sich vorgenommen: Am Ende dieser zwei Jahre nehme ich ein Album auf, egal wie weit ich gekommen bin. "Ich hatte Angst, dass die Band denken würde, ich sei ein Scharlatan, ein Rock-Poser. Aber sie waren die großzügigsten, unterstützendsten Menschen – im Studio saß ich da und spielte, und es fühlte sich an wie auf Drogen."

„Honora“ von Flea ist erschienen am 27. März 2026 bei Nonesuch Records.

Außerdem in dieser Sendung:

  • Hanno Busch: Der Gitarrist aus Wuppertal erhält den WDR-Jazzpreis und untermauert seine Exzellenz mit einem neuen Album ("Perspective", Frutex Tracks)
  • Flosse: Quartett aus Dresden und Leipzig mit humorvollem Avantgarde-Jazz-Statement ("Lotterleben", Dynamite Platten)
  • Philipp Wisser: Düsseldorfer Gitarrist erkundet in der Obertonreihe die Gesetze der Harmonie ("5th Dimension", JazzSick Records)
  • Irreversible Entanglements: Moor Mother und vier Mitstreiter mit neuem Free-Jazz-Manifest aus dem Van Gelder Studio – und live am 7. Mai in Lüttich ("Future Present Past", Impulse!)
  • Flo Naegeli: Bayerischer Multiinstrumentalist mit Debüt-EP zwischen R&B und Jazz, zwischen Trauma und stiller Stärke ("Lush Life", Sonar Kollektiv)
  • Alexander IV: Der niederländische Produzent Joris Feiertag legt ein famoses cineastisches Hip-Hop-Soul-Jazz-Debüt vor ("Alchemist", Sonar Kollektiv)
  • Steven Brown: Tuxedomoon-Mitgründer nach über dreißig Jahren mit erstem Soloalbum – eine weltentrückte Traumreise zwischen Bowie, Schostakowitsch und Kammer-Improvisation ("In This Very World", Crammed Discs)

Maaru Will

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht! Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren

Restl. Anzahl Wörter: 150